Der schwere Mut: THE ANTLERS – Familiars

Anders waren sie immer schon und schon immer waren sie für verschiedenste Überraschungen gut. So macht auch ihr neues Album
Familiars
keine Ausnahme.
Es ist nicht einfach das, was man eine Fortsetzung ihres letzten Albums Burst Apart nennen könnte, sie bewegen sich in einem luftleeren Raum, bringen sphärische und schwebende Momente ein, die sich langziehen, über Grenzen hinwegsetzen.

THE ANTLERS

verfügen über eingeschworene Fans, die bislang jeder Veränderung folgten und die alle Unwegbarkeiten brav als grandios und Schritt in die richtige Richtung annahmen.

Auf dem neuen Album nun bewegt sich das wankende Schiff erneut in ungeahnte stille und tiefe Gewässer.
Böige Bläser schlingern heran, schwappen über, verringern ihre Intensität, preschen erneut hervor wie Gischt über die Persenning, man beeilt sich und kommt gerade noch dazu, sich vor der nächsten Welle an die Reling zu klammern.
Friedlich.
Nur sanfte Bewegung im Wasser, die Dünung zieht, sanft. Schmeichelnd.
Und der Sommer geht dahin, schon bald ist der Hauch des Herbstes im Wind zu spüren.
Wie Gezeiten zieht es sich dahin, unaufhaltsam und als endloser Kreislauf.

Zu Hospice-Zeiten, als The XX noch der untergründige Hype waren, kamen Peter Silberman und seine (damals gerade erst zur Band formierten) Begleiter mit einer Platte, die anders war, cool genug, zu beeindrucken und mit melancholischen Songs und Texten über Krankheit und Vergänglichkeit eine Ernsthaftigkeit zu demonstrieren, die vielen anderen zeitgleichen Veröffentlichungen abging.

Mit Chris Coady am Produzentenpult (der zuletzt für u.a. die Future Islands tätig war, zuvor für Beach House, die Yeah Yeah Yeahs..) ist mit Familiars
nun ein neuerlicher (Ver-)Wandlungsprozess vollzogen,

THE ANTLERS

2014 klingen erwachsener und sehr erholt. Nach wie vor über alle Zweifel erhaben, stehen etwas über den Dingen und vermischen in ihren Songs jazzige Einflüsse, angeführt von den urplötzlich einsetzenden Bläserparts des Mitstreiters Darby Cicci, die oftmals drübergestreut wirken, ihre Wirkung aber mit jedem Hören größer scheinen lässt und die Tiefen der neuen Songs erst nach und nach zu erahnen sind. Trotz all der Traurigkeit und Langsamkeit wohnt ihnen eine Leichtigkeit inne, die fesselnd wirkt und die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Was vorab mit Palace begann, groß, unheimlich, von beängstigender Nähe und Intensität wird hier in Albumlänge fortgesetzt und ist an stiller Spannung kaum zu übertreffen.

Maximilian Hecker, REM, Dire Straits, Thirteen Moons, Tindersticks – es sind große Geschichten, die einem in den Sinn kommen und die hier erzählt werden.
Wir träumen. Wir alle träumen von Dingen und Menschen, von Situationen und manchmal sind es böse Träume und man schwitzt was das Zeug hält und die Bettwäsche saugen kann. Manchmal aber sind die Träume so, dass man sich wünscht, sie würden nicht zu Ende gehen und Teil Deiner Realität, Deines Lebens werden.

Manchmal braucht es Mut, sich den Träumen zu stellen. Mut, einen Schritt weiter zu gehen. Mut, seinen Mut vor anderen zu verteidigen.
Das hier ist eine Mut-Platte. Mit Traum und Realität und alledem.

Wer einen Eindruck sucht, sollte sich Intruders anhören. Und dann verstehen, was ich meine.

antlers

Palace

Doppelganger
Hotel

Intruders
Director
Parade
Surrender
Refuge

 97/100

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