Was auch immer Du willst: VIOLENT FEMMES – We Can Do Anything [VÖ: 4.3.]

Violent_Femmes_DuncanGiblin.jpg

(photo & allrights: VIOLENT FEMMES / PIAS / Duncan Giblin)

° ° °
Die

VIOLENT FEMMES

waren mal ganz wildes Zeug.
Dieses schräge, dieses nervige. Dieser Gesang.

Dann kam eine Zeit, in der Blister In The Sun sogar am Samstagabend in der Kleinstadtdisco als Muntermacher eingesetzt wurde.
Und dann wurde es.
Ein wenig still.

Nun aber liegt ein neues Album der alten Wegbegleiter vor und, kurz gesagt, ja, sie sind etwas älter geworden aber: Sie können es noch immer. Und sie tun das viel besser, als man zu hoffen gewagt hatte und viel besser als manch Nachwuchs.

Gordon Gano hat noch immer das prägnante Quietschen (oder ist es ein Knarren?) in seiner Stimme, das Nölige, das unvorteilhaft Bemerkenswerte.

Sind die Ecken und Kanten (Hollowed Ground) ein wenig der Altersweisheit gewichen, bleibt unnachahmliches Gepür für Bewegung und die kleine Querheit, die hinter jeder Melodiekurve wartet. Fast erinnert man sich bei I Could Be Antything an Tanzbodenmomente, zu denen The Pogues in längst vergangenen Zeiten einluden.

 

Nicht weit entfernt hebt man gedanklich die Gläser, reißt sie hoch um voll Schwung und mit nicht unerheblichem Inhaltsverlust gegeneinander zu donnern. Vielleicht, in nicht allzu ferner Zukunft, wird auf dem Oktoberfest das Leeren der Mass mit

VIOLENT FEMMES

Musik unterlegt, wer weiß.

Geradezu nach einer filmischen Untermalung schreiend Issues, mit dem typischen Bassgezupfe, aber mit scheinbar neu entdeckter Songqualität und bläserintonierten Aufs und Abs, dass es eine wahre Freude ist. „What the fuck is going on?“ singt er und der Küchentisch beginnt zu wanken.

Freak Magnet kam im Jahr 2000 heraus. Da waren unsere Kinder noch nicht geboren und die Welt irgendwie noch ganz anders.
Wir waren jünger und hatten kein Geld, keine Kinder, keine Ideen von der Zukunft und den Kopf voller Flausen.
Im Jahr 2016 entferne ich Hundhaare aus dem Bett und Hundekot vom Gehweg, ich wohne in Österreich und nicht alles ist besser.

Heute: Die FEMMES sind in love, sitzen samstags und sonntags, wenn die Arbeit getan ist, im Park oder im Dunkeln, wollen Schmerzen spüren die eigentlich gar keine sind und wissen ganz genau, dass Du weißt, sie sind in love.. (Foothills).
Und wenn das Leben mal gerade gehörig nervt, steigt man einfach in den Bus, den Zug oder gar das Flugzeug, die Probleme lösen sich quasi in Nichts auf, wenn Du erstmal auf dem Weg bist, nicht mehr zurück zu kehren (Traveling Solves Everything)

Come On In My Car I’ve Got A Big One

Sind die Spuren der Zeit nicht spurlos an ihnen vorbei gegangen, sieht Gano auch entfernt aus wie eine Alternativversion von Heinz-Rudolf Kunze, so kann man doch einfach die Augen schließen und sich zurückversetzt fühlen in eine Zeit vor dieser.

Die

VIOLENT FEMMES

vermitteln ein Gefühl, als wären es nicht Jahre sondern maximal Monate gewesen, seit wir zuletzt von ihnen gehört hatten.

Ich meine, das ist ein gutes Zeichen.

violent

Memory
I Could Be Anything
Issues
Holy Ghost
What You Really Mean
Foothills
Traveling Solves Everything
Big Car
Untrue Love
I’m Not Done

° ° °

90/100

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