Im Herzen So Nah: FRIGHTENED RABBIT – Painting Of A Panic Attack

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(photo & allrights: FRIGHTENED RABBIT)

° ° °
Manchmal ist Musik so, als würde man in einem Traum umherwandeln.
Man betritt in einer sonnenüberfluteten Landschaft ein Haus, aus dem die Töne sich ihren Weg durch hölzerne Türen, durch die geöffneten Fenster bahnen, man erwartet im Inneren eine große Menge unbekannter Menschen, erwartet angestarrt zu werden, erwartet Unwohlsein, das Herz klopft bis zum Hals und darüber hinaus.

Und man tritt in seinem Traum durch das Gartentor, schwebt fast über die Terasse.. und anstatt das Erwartete eintritt, findet man sich wieder in jenem Haus der Träume, mit der besten Freundin kuschelnd unter einer Decke: Eine nicht leicht zu ertragende Spannung und doch das atemlos machende Gefühl ungeheurem Vertrautseins, so als wäre dies alles immer da gewesen, als wäre es genau richtig. Willkommen, empfangen, bereit, den nächsten Schritt zu tun, als hätte man ein ganzes Leben darauf gewartet.

rabb

Mit tränenfeuchten Augen aufwachen, erinnern, zurückwünschen.
Und nur Du weißt, es wird nie wieder so sein, die Realität wird nie so sein wie in diesem Traum. Kein Zulassen.
Unerreichbar, fern und im Herzen so nah.
Und obwohl es draußen regnet, irgendwo, weit entfernt von Dir und Deinen aufgewühlten Gefühlen hast Du tief in Dir drin die Gewissheit, es ist egal, es ist in Ordnung, alles ist gut.

FRIGHTENED RABBIT

sterben die erwartet vielen Hundert Tode auf ihrem neuen Album
Painting Of A Panic Attack.

Und sie sterben mit uns gemeinsam.
An gebrochenen Herzen, an zerstörten Träumen, verlorenen Menschen.

Wie, ja: Wie kann es eigentlicht sein, dass Menschen, die einem nahe standen, gefühlt von einem Augenblick zum nächsten, keine, überhaupt und gar keine Bedeutung mehr haben, keinen Platz mehr einnehmen in Deinem Leben?

Das Leben ist Veränderung. Alles hat seine Zeit.
Ob letztendlich in der Gegenwart dann auch tatsächlich die Dinge passieren, die gerade angesagt scheinen, die in den geplanten Ablauf, in das eigene Leben passen, sei dahingestellt, auf diese Fragen finden wir auf
Painting Of A Panic Attack
keine Antwort.

Aber die Musik von Scott Hutchinson und seinen Mitstreitern ist eine Bereicherung, eine Ergänzung, wenn nicht eine Offenbarung.

Inzwischen fast zu Stadionfüllern gewachsen, ist die Band, die hymnische Attribute anzieht (wie vergleichsweise riesigere Acts like The National) noch immer auf der Suche, auf der Suche nach mehr, ein Hunger, den man ihnen anhört.

Von ihrem anfänglichen Sonderbar-Folk mit Extravaganzen auf ihren ersten Alben hin zu mehr Popfolk (verbunden mit dem Wechsel zum Major-Label) hat die Band eine beachtliche Entwicklung hingelegt. Man mag ihnen unterstellen, nun auf Verkaufszahlen zu schielen und mit der neuen Platte die Fans von intimen Nuschel- und Nischenpop einkassieren und für sich gewinnen zu wollen, gleichsam kann man dem entgegnen und feststellen, sie haben sich entwickelt und sind (trotzdem) immer noch in der Lage, gänsehauttaugliche Songs mit Indie-Ohrwurmcharakter zaubern zu können, ohne deshalb Lo-Fi oder wie im eigenen Schlafzimmer klingen zu müssen oder zu wollen.

Get Out, eine Hymne an eine Frau, die sich in den Gedanken festgesetzt hat und an die Erinnerungen an sie, die nicht abzuschütteln sind, ist ein druckvolles Stück, bittersüß und im Gehörgang schmelzend.

Woke Up Hurting als weiteres Beispiel: Jeder, der schon einmal verlassen wurde kennt das: Nachdem man sich mit sumpfigem Herzen erst stundenlang schlaflos in kalten Laken hin und hergewälzt hat, im Morgengrauen in einen kurzen und wenig erholsamen Schlaf hinüberrettete, am Morgen erwacht, Kopf voll verklebter Gedanken und Schmerz, die Augen kaum des Sehens fähig, breitet sich augenblicklich und gnadenlos diese Leere aus, die einen noch Tage, Wochen, lebenslang beschäftigen wird.

Zum Hinhören, zum Hineinsteigern, zum Nichtvergessen.

frighten

Death Dream
Get Out
I Wish I Was Sober
Woke Up Hurting
Little Drum
Still Want To Be Here
An Otherwise Disappointing Life
Break
Blood Under The Bridge
400 Bones
Lump Street
Die Like A Rich Boy

° ° °

93/100

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