Hall und Rauch: BESTIAL MOUTHS – Heartless

Bestial Mouths_Lynette_.jpg

Die Geister, die ich rief.

Zurück mit einem neuen Album sind die

BESTIAL MOUTHS

Ein Quartett aus Los Angeles, dass mit einer charismatischen Sängerin (Lynette Cerezo), deren Stimme meist echomatisch verfredet daherkommt über und über in schwarz getaucht, uns in einer Doom-Techno-Odyssee eintauchen lässt, sich mit Lust und Widerhaken festkrallt und nicht entkommen lässt.

Ihre Vorgängerscheibe aus dem letzten Jahr
hat noch mit trashig-wilden Klangorgien um sich geworfen, es scheint ein gewisses Ruhebedürfnis innerhalb der Band eingesetzt zu haben. Nicht, dass man hier in einem einzelnen Augenblick zum Entspannen oder Durchatmen oder gar zum wohlfühligen Zurücklehnen käme. Nein, nein. Noch immer gilt: Sanft geht anders.
Wohl aber scheinen die Melodien, die immer nur ansatzweise zu spüren sind, einen höheren Stellenwert einzunehmen. Von Eingängigkeit mag und kann ich nicht sprechen.

Selbst das eh recht unterkühlt daherkommende Being Boiled von Human League bekommt hier obenauf eine kalte Dusche verpasst und verströmt eine fast greifbare Beklommenheit. Man fühlt sich so wohl, als hätte man eine lange Zugfahrt in einer durchnäßten Hose neben einem äußerst unsympathischen Mitfaherer in einer überfüllten Straßenbahn vor sich.

My body went heartless, armed to the teeth.

Aber auch sonst ist die Musik auf
Heartless
nicht dazu angetan, ein Wohlgefühl beim Hörer hervorzurufen.

Man könnte sagen, na gut, dann Augen zu und durch. Aber auch das ist nicht möglich, zu aufdringlich kommen die atonal bis Doom-Disco-angehauchten Sounds daher.

Also volle Konzentration.

Von spartanischen Klangwiederholungen bis hin zu vollgepackten rhytmusbetonten Songs mit tieftraurigen sehnsuchtsvoll gehauchten Fiepen und schrillen mit viel Hall und Rauch.
Von experimentell und synthetisch bis hin zu heißblütigen Ausbrüchen ist hier alles zu finden. In einer kargen, düsteren Landschaft wandern die Musiker umher, schwenken ihre dunklen Umhänge um sich im widerspenstigen Klangteppich seicht auf und ab zu wiegen.

Dark Disco mit metallischem Beigeschmäckle, hier ein Jauchzen, dort ein klirrendes Sägen, ein brutales Drum-Gewitter, immens dicht und lichtundurchlässig.

Auf der Suche nach durchgehenden Melodieführungen wird man etwas Geduld aufbringen müssen, viel eher findet man viele versteckte Töne und Spielereien, die der Athmosphäre dienen, der Hörbarkeit aber einiges abverlangen.

Ein interessantes Werk, weniger düster als ihr Vorgänger, weniger drängend, trotzdem nicht minder interessant und vielschichtig.

bestial

Greyed
Heartless
Small Prey
Faceless
Ceased
Down To The Bones
Earth
Worn Skin
Being Boiled
White Eyes

° ° °

(Cleopatra Records, 2016)

83/100

 

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