Glückskeller: MITSKI – Puberty 2

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(photo & allrights: MITSKI / Dead Oceans / Off The Record PR / Ebru Yildiz)

Ja, Du fühlst Dich gut, ja, Du bist glücklich, ja, alles ist geil (Du auch), ja, wir leben und ja, die Sonne scheint zur Abwechslung auch einmal und trägt zum allumfassenden Glücksgefühl bei.
Ja, morgen wieder Arbeit, ja, Du bekommst graue Haare, ja, ich bin zu früh gekommen und konnte dann nicht nochmal, ja, die Anderen sehen einfach besser aus und haben straffere Haut und ja, das Monster lauert auf der Kellertreppe.

Was macht Mensch nicht alles mit und durch in der Pubertät?
Blumen, Samen, Drogen, Selbst- und Fremdversuche, Fahrradfahren ohne Sinn, einfach den Berg herunterrollen lassen, aufmüpfiges Verhalten, später ins Bett gehen als einem gut tut, Haarwachstum allerorten, verstohlene Blicke in luftige Tops und erahnen der Andersartigkeit.
Und Selbstzweifel.

Das Glück wohnt nicht bei mir und wenn, dann nur kurz und es geht viel zu schnell vorbei und irgendwann hat alles ein Ende, auch wir, Du und ich und der Tod wird seine Macht ausspielen, es ist doch alles umsonst. Jede Anstrengung überflüssig.

Halt, nein.
Nebenbei könnte man noch gute Musik hören.
So ein wenig.

Das vierte Album der gebürtigen und mittlerweile in New York lebenden Japanerin Mitski Miyawaki heißt
Puberty 2
und spiegelt die Schattenseiten des Glücks wieder, die Kehrseite der Medaille.
Das andere Ende der Wurst.

Das Klirren des Geschirrs, in dem Moment, in dem es auf dem Boden auftrifft, das Aufheulen der Sirenen, das wilde Gekläff des Hundes von nebenan.
Diese Musik ist sphärisch-dezent und rockig hinlangend, balladesk und Indie-poppig, ganz nach Belang und Laune.

MITSKI
bringt uns die Zerbrechlichkeit des Glücksgefühls nahe, ein stimmiges, aufreibendes Stückchen Musik voll ungestüm stürmender Saxophone, voll mit kreisenden Vocals, mit schwirrenden Gitarren, mit Texten in denen kein Blatt vor den Mund genommen wird und Songs, denen ein paar Wiederholungen gut tun, um dann im Gedächtnis haften zu bleiben.

Sie selbst sich vielleicht ja ein wenig in einer Identitätskrise wiederfindend, ihre Geburt und Jugend in Japan, nun nach vielerlei Umzügen und immer wieder nur kurzzeitigen Aufenthalten in verschiedenen Ländern in New York zu Hause, ohne jedoch das letztendlich erwartete Abbild einer jungen, dynamischen Nachwuchsamerikanerin geben zu können.

Saxophone zwischen brandenden Seelen (PJ Harvey), Stimme und Stimmung zwischen sich selbst und anderen (mehr oder weniger) jungen Damen (Globelamp, Brodka, Let’s Eat Grandma). Kleine Songs mit großem, mit wichtigem Inhalt.

Das Zulassen und das Eingstehen der Gefühle, verborgen in der Öffentlichkeit, nur zu zweit geht das. Warum? Ich bin nicht gut genug, ich reiche ihm nicht, er schämt sich meiner. (A Loving Feeling).

Fragen, die die Welt bewegt, Erinnerungen an zurückliegende Erlebnisse, ungeklärte Phänomene und die Unwägbarkeiten des Heranwachsenden.

Warum geht denn nicht einfach mal nur glücklich sein?
Immer muss alles irgendwie kaputt sein und am Ende..
Da bleibt man lieber für sich und schreibt so coole Songs wie
MITSKI.

mits

Happy
Dan The Dancer
Once More To See You
Fireworks
Your Best American Girl
I Bet On Losing Dogs
My Body’s Made Of Crushed Little Stars
Thursday Girl
A Loving Feeling
Crack Baby
A Burning Hill

° ° °

Hier, coole Shirts und so

90/100

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