Der Dunkle Weg Ins Glück Und Kein Zurück. – ONDEADWAVES

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(photo & allrights: OnDeadWaves / mute / Cat Mook)

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Polly Scattergood und James Chapman (Maps) sind

ONDEADWAVES.

Seit sie sich 2011 auf dem Londoner Short Circuit Festival gemeinsam mit anderen mute-Labelgenossinnen und Künstlern trafen war klar, dieses ursprünglich einmalige Zusammentreffen sollte nicht das Ende sondern eher der Beginn einer kreativen musikalischen Gemeinschaftsarbeit darstellen.

Und das dies eine mehr als positive Entscheidung war, wurde uns Hörern schon mit der Veröffentlichung von Blackbird mit dem dazugehörigen Video klar.

In einem Atemzug fallen mir bei den hier versammelten Songs häufiger einmal
Nick Cave & Kylie Minogue oder Isobel Campbell & Mark Lanegan
ein, die nicht nur ähnlich klingen sondern auch eine
ganz ähnlich morbide Stimmung erzeugen.

 Polly Scattergood beglückt seit geraumer Zeit als Musikerin mit außergewöhnlichen Songs allerbester Qualität fernab der Mainstreamschiene. Chapman alias Maps hat dies in seinem Soloprojekt ebenfalls unter Beweis gestellt. Beste Voraussetzungen demnach.

Und herausgekommen ist ein auf den ersten Blick vielleicht harmlos scheinendes, aber stetig schleichendes Gift. Man wird sich dessen Wirkung unächst gar nicht bewusst. Aber nach und nach, mit jedem Ton quasi, wird man immer stärker infiziert und es fehlt letzten Endes nicht die Kraft, wohl aber der Wille, davon loszukommen.

Wie in einem mittelklassigen Low-Budget-Highway-Thriller-Drama kann man das Geschehen zunächst nicht glauben und sich bereits nach kurzer Zeit dann einfach nicht mehr abwenden. Es ist eine Fahrt in einem Cabrio über endlose Wüstenstraßen, ein Kaktus hier, einer dort, eine verlassene Tankstelle, ein schäbiges, verlassen wirkendes Motel in der Ferne, seine milchig-trüben zerstörten Scheiben und staubig und die nach Mäusedreck und sonstigen Ausdünstungen riechende Matratzen im Hinterzimmer weisen darauf hin, dass hier schon lange kein Sprit mehr abgefüllt wurde, kein Bier über den Tresen wanderte, sich wohl aber ab und an ein Landstreicher Schutz vor der Dunkelheit und den Unwägbarketen der Ödnis gesucht oder triebhaften Kids einen Ort für den schnellen Sex geboten hat.

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Der Dunkle Weg Ins Glück Und Kein Zurück.
They’re Never Coming Back From Their Very Own Lucky Town.

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Es geht auf dieser Scheibe stimmungsvoll aber nur bedingt kuschelig zu, manchmal bricht alles aus der erwarteten Songstruktur aus und entwickelt sich in eine unvorhergesehene Richtung. Auch wird nicht immer nur duettiert, mal übernimmt James die Hauptrolle, mal intoniert Polly die Liedchen fast im Alleingang.

So befinden wir uns inmitten einer sanften, mollenen aber trügerischen Seeligkeit.
DiesesAlbum ist eine Einladung, in Gefühlen zu baden, in der brummelnden Stimme des Maps-Masterminds um dann gern wieder dem atemlosen Hauch von Pollys Organ zu folgen.
Man verschwindet traumgleich in einer zarten Melancholie, um zwischen „vergrabenen Gefühlen und dunkler Erinnerung“ in einem Schwebezustand auszuharren.

Und ob thematisch ein Beziehungsende (Never More) im Vordergrund steht oder das Vagabundentum des MusikerInnenalltags (Hollow), musikalisch vermag man nicht zu entscheiden, ob die Klänge auf dem Debütwerk von

onDeadWaves

nun eher einer lauschigen Nacht zu zweit, einem Begräbnis, einem Road-Movie oder einem Psychothriller mit Schwitzehändchen genüge tun.

Vielleicht werde ich meine Entscheidung diesbezüglich ja bald gefunden haben. Bis dahin genügt es sicher, entspannt herumzulümmeln und zum gefühlt siebenunddreißigsten Mal die Repeattaste zu betätigen.

ondead

° ° °


95/100

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