Melancholy Rose: BAT FOR LASHES – The Bride

 Natasha Khan ist bekannt für ihre ausufernd gestalteten eher mystisch-dunklen Pophymnen, zu denen man sich gern einmal alleinsam ins sparsam erhellte Kämmerchen zurückzieht und dem guten Tropfen eine große Chance erteilt.

Dies gilt eben auch für ihr neues Album
The Bride
Sie hat sie sich wieder ordentlich ins Zeug gelegt und bringt uns im aufkeimenden Sommerlicht gleich ein Dutzend dieser nicht ganz leicht zugänglichen Songs.
Damit wir ja nur nicht vergessen, dass bald wieder kühlere Temperaturen herrschen, herbstliche Winde unsere Häupter umwehen und die nächste Generation Duftkerzen schon in ihren Schubladen auf den unvermeidlichen Auftritt wartet, ebenso wie die nächste große Enttäuschung des Lebens gleich hinter der nahen Häuserecke.

Es sind eher die getragenen Gefühlswelten, denen wir uns hier unsere Ohren entgegenstrecken.

The Haunted Man aus 2012 präsentierte die Künstlerin noch als selbstbewußte Frau, die auch gern einmal selbst Hand anlegt und auch gern die Führungsposition innehat.

Hier.. ist nun alles ein wenig verändert. Als Filmmusik, die sie in ihrem Kopf hatte ursprünglich erdacht und mit dem Kurzfilm „I Do“ umgesetzt, betören uns ihre neuen Songs mit Einsamkeit, Verlust, Vorahnungen, der eher vagen Hoffnung auf ein gutes Ende, und den intensiv nahegebrachten Gefühlsleben der Protagonistin.

The Bride
ist die Geschichte einer Frau, die damit beginnt, dass sie, von unguten Vorahnungen erfüllt, allein vor dem Traualtar steht und ihr Zukünftiger nicht auftaucht.
Die Sirenen des Rettungswagens bestätigen sie in ihren unschönen Gedanken.
Als aus dieser Ahnung schließlich Gewissheit wird, verlässt sie überstürzt ihre geplante Hochzeit, setzt sich in ihr Auto und rast los.

Nun handelt es sich nach eigenen Aussagen nicht um ein reines Konzeptalbum, beschäftigt es sich aber doch durchgehend mit der angesprochenen Thematik: Die Frau, die stehen gelassen, die durch den Tod des Zukünftigen aller Träume und Hoffnungen beraubt wurde, die loszieht und ihre bisherige Lebenssituation reflektieren versucht und mit den aktuellen Ereignissen sowohl geistig als auch körperlich überfordert scheint.

Zu Beginn noch voller Vorfreude (I Do), dann von Gedanken getrieben und diegleichen schweifen lassend (Joe’s Dream), hin zur Auseinandersetzung mit dem erfahrenen Schicksal bis zur unnatürlichen, wiederum aber hoffnungspendenden Fiktion (I Will Love Again, In Your Bed).

In In God’s House lässt sie uns all ihren Schmerz spüren und tönt zum Ende „Fire! Fire! Fire!“ was sich schnell zur Geduldsprobe ausweitet.
Man sehnt sich förmlich das Ende des Lieds / Leids herbei.

Das Album zelebriert einen Alptraum, aus dem kein Entkommen möglich scheint.
Die Musik schleicht heran wie die Wirkung eines etherischen Minzöls, welches man sich zur Befreiung an Stirn und Schläfen massiert, erst nach und nach, Schritt für Schritt, leise, bedächtig. Wie nicht anders zu erwarten liegt der Hauptaugenmerk auf The Bride auf der Stimme von Natasha Khan.
Die zaubert ein ums andere Mal verstörende Stimmungen, lässt mitfühlen in ihrem Leid.

Keine Musik für Nebenbei und nur bedingt geeignet für geschundene Seelen.
Gute Laune geht anders – dreimal nachdenken über das Leben etc. hingegen geht hiermit ganz wunderbar.

 

bat.jpg

I Do
Joe’s Dream
In God’s House
Honeymooning Alone
Sunday Love
Never Forgive The Angels
Close Encounters
Widow’s Peak
Land’s End
If I Knew
I Will Love Again
In Your Bed

° ° °

batforlashes

84/100

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