Männer mit Bärten im familiären Terrain: BAND OF HORSES – Why Are You OK?

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(photo & allrights: BAND OF HORSES)

° ° °

BAND OF HORSES

steht seit jeher für hochstimmig melodiös vorgetragene Hymnen, die ganz schnell Ohrwurmcharakter entwickeln.

Auch ihre neue Platte beinhaltet mehr als einen solcher gute Laune-Songs im Kontext amerikanisch geprägter Westküstenmusik.

Dull Times/The Moon kommt als Opener und einer Spielzeit von über sieben Minuten eher verhalten daher, man fühlt sich wie in einem Bahnhofswartesaal während draußen der Regen in einem immerwährenden Fluss aus trübem Himmel herniedergeht.

Mit der vorab veröffentlichten Casual Party zeigen sie, das es schon (eher schön) zur Sache gehen kann.

Country Teen drosselt das vorgelegte Tempo, um mit kreiselnder Gitarre im Hintergrund den vorherrschend ruhigen instrumental gehaltenen Fluss etwas Zug zu verleihen.

Barrel House ist ein Stück vertonter Sehnsucht mit entspannt im Hintergrund tönendem gestreichelten Schlagzeug, einer nicht zu hohen Gitarrenwand und der typischen Gesangslinie und mein persönliches Highlight dieser Veröffentlichung.

So ist das fünfte Album nun eines, dass trotz der sonnigen Athmosphäre, in der es aufgenommen wurde (Kalifornien..), nicht ausschließlich mit jauchzigem Gute-Laune-Getümmel aufwartet.
Viel eher beschäftigt sich die Band um Ben Bridwell (der nach dem letztjährigen Ausflug mit Iron & Wine wieder in vertrauten Gefilden mit seinen alten Bandkollegen umherschleicht) mit alltäglichen Dingen. Wie zum Beispiel einer Frage, die man sich unter Umständen ein paar Mal häufiger stellen sollte: Warum geht es Dir eigentlich gut?

Diese Frage wurde von seiner kleinen Tochter aufgebracht und beschäftigte Bridwell so sehr, dass diese namensgebend wurde für das vorliegende Werk, das sich auch inhaltlich nun mit der Beantwortung dieser Fragestellung befasst.

In der Sanftheit (Entspanntheit? Trägheit?), die sich über das Album erstreckt und trotz des Hauchs von Americana-Folk und Westerntouch der vielen ihrer neuen Songs innewohnt, ist eine Leichtigkeit zu verspüren, als hätte man alte Lasten abgestreift und streckt seinen Kopf nun in den Fahrtwind, neuen Zielen entgegen.

Neben großen Namen (Jason Lytle als Grandaddy-Produzent, J.Mascis mit einem Gitarrensprengsel bei In A Drawer & Rick Rubin als „executive Producer“) bleibt eine gewisse familiäre Stimmung beim Hörer haften, die sich sanft aber mitunter auch bleiern über das Album hinwegzieht, eine Unfähigkeit zur ausufernden Bewegung.
Eine Art Unwirklichkeit, eine Art Ferienstimmung.
Man kann einfach mal tun was man will und wenn man gerade nichts tun möchte ist auch das mehr als in Ordnung.

Dass die Band hier nicht, wie manch einer im Vorfeld zu vermuten wußte, zur Gänze im groß angeleten Indie-Stadion-Gebräu versinkt ist sicher dem wieder neu entdeckten Spaß am Musizieren zuzuschreiben, den man auf
Why Are You OK
zu Gehör getragen bekommt.

Kein Wunderwerk sondern entspanntes Zuhören ohne viel Schnörkel, ohne aufgesetzte Maske, einfach so.
Das ist mehr als man vielleicht zu wünschen wagte.

 ° ° °

 bandof

Dull Times / The Moon
Solemn Oath
Hag
Casual Party
In A Drawer
Hold On Gimme A Sec
Throw My Mess
Whatever, Wherever
Country Teen
Barrel House
Even Still

 

° ° °

82/100

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