Löwenmaul: THE VEILS – Total Depravity

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Also, eigentlich geht das Album für mich erst mit dem dritten Titel los.
Oder, es beginnt dort ein Album von

THE VEILS

und nicht ein.. nun, wie soll ich sagen, also, nochmal von vorn.

Axolotl ist alles andere als typisch für die Band, die von sich sagen konnte, geniale Popsongs mit Anspruch, Ambiente, Flair, großartigen Texten und Melodien zum drin verlieren zu zelebrieren, allen voran Mastermind Finn Andrews.
Axolotl ist wild, chaotisch, elektrisch, klingt unsauber und ungewohnt.

Das zweite Stück mit seinem nahezu sexistisch anmutenden Honey Honey – Honey Honey ging mir beim ersten Hören gehörig auf die Eier, mittlerweile höre ich darüber hinweg und finde die eigentliche Melodie des Songs gar nicht mal so übel.

Wenn ich Musik höre, interessiere ich mich, tut mir leid, ist aber so, eigentlich fast überhaupt nicht für Produzenten, Mischer, Mixe – Bla-Bla-Bla.
Mir ist egal, wer irgendwelche Knöpfchen drückt, wer wen auffordert, mal so oder so zu klingen.
Letzten Endes ist für mich die Musik die bei mir ankommt das, nun, worauf es ankommt.

Wenn aber Hip-Hop-Rap-Irgendwas-Einspielungen die Songs einer meiner Lieblinge verhunzen, interessiert mich dann das „Wieso denn nur?“ doch. Irgendwie.

El-P (welch selten …. Name) von Run The Jewels.
Mir wäre lieber gewesen, Andrews und er hätten sie nie in irgendeiner Bar in LA kennengelernt und er hätte seine Finger und Ideen sonstwo gelassen.

Es klingt hektisch, überdreht, überzogen, unklar.
Man bekommt nicht direkt einen Zugang zu den Songs und wenn, dann einen nicht unbedingt auf den ersten Blick positiven.

So erreichen

THE VEILS

mit ihren vom Ansatz her sicher nicht unschönen jedoch eher unspektakulären neuen Songs in keinem Moment ihre songschreiberischen Highlights von Nux Vomina.

Sie vollführen eine Wendung, eine Abkehr vom dramatisch melancholischen Traumballadentum um einmal in düsterere Ecken zu schauen, praktizieren dabei für meinen Geschmack irgendwie häufig eine Drehung zuviel – und landen, wie Eiskunstläufer ab und an, am Boden und verziehen für einen Moment lang das Gesicht, wenn das Gesäß auf’s harte Eis knallt.
Diese Momente sind es, die diese nüchtern traurig und hintergründig bös scheinende Platte ausmachen.

Natürlich reicht es wie erwartet immer noch für ein ganz cooles Album, die Stimme fasziniert (vor allem zum Abschluß in den ruhigeren Songs) auch hier, variiert von schaurig-geisterhaft über dramatisch (Axolotl, Do Your Bones..) und Geschichten erzählend. Und Andrews Charisma ist durch niemanden wegzuproduzieren.

Eine ganz große Topplatzierung aber schaffen sie diesmal leider nicht.

Ich hoffe, bis zum nächsten Mal stellt sich auch bei der Band die Sehnsucht nach großartigen Popsongs wieder ein.

° ° °
THE VEILS Total Depravity
(Nettwerk Music Group, 8/2016)

veils

Axolotl
A Bit On The Side
Low Lays The Devil
King Of Chrome
Swimming With The Crocodiles
Here Come The Dead
In The Blood
Iodine & Iron
House Of Spirits
Do Your Bones Glow At Night?
In The Nightfall
Total Depravity

° ° °

89/100

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5 Gedanken zu “Löwenmaul: THE VEILS – Total Depravity

      1. Ich hatte eigentlich keine Erwartungen in irgendeine Richtung, vielleicht ging’s deswegen ganz gut rein.
        Viele Grüße,
        Gerhard

  1. Immer ein seltsamer Moment, wenn man das neue Album einer liebgewonnenen Band | eines liebgewonnenen Musikers hört und sich so denkt ‚Och nöööö, so doch nicht‘. Umso schlimmer, wenn die Erwartungshaltung hoch ist.

    Es ist dann äußerst schwierig, den Geist zu leeren und den Blick zu klären, um das Werk unvoreingenommen zu betrachten.

    Interessant ist: Wenn man mit ‚Unwissenden‘ spricht, ist es oft genau anders rum – die finden dann das neue Album besser als die alten bzw. können mit dem neuen Stil mehr anfangen als mit dem alten.

    Liebe Grüße

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