Och..: AGNES OBEL – Citizen Of Glass

Also, der ihre letzte Platte, ne, da wo die da vorn mit Heiligenschein in orange drauf war, ne, die hab ich der Monika geschenkt, runtergeladen, ne. Und die, also, wir waren da auf Konzert und die, also, die Stimmung war voll toll, echt jetzt, romantisch und so, total still alle und keiner hat was gesacht die ganze Zeit.
Und die Platte, also, die fand ich klasse damals..

Die Rede ist von Aventine
dem letzten Werk der dänischen Klassik-Underground-und-Klangkünstlerin

AGNES OBEL.

Was also der Manfred der Monika schenkte, liegt nun knapp drei Jahre zurück.
Die neue Platte ist auch für die Musikerin Obel eine Weiterentwicklung, mit für sie neu zu erlernenden Instrumentalen und klingt in meinen Ohren nur noch halb so schön.
Ok, das ist übertrieben, es fehlt den neuen Kompositionen das Monumentale, die Mystik, das Unberechenbare.

Zudem kommt auf Familiar, welches man schon vor der Veröffentlichung hören konnte, Ahnoni wohl als Unterstützung und Ergänzung gedacht hinzu, eine Stimme, die einem ganz schnell auf den Geist gehen kann. Das hätte nicht sein müssen.

Thematisch, man vermutet es, steht die quasi täglich zunehmende und mehr Raum beanspruchende überwachte Öffentlichkeit, zu der sich jeder nur zu gern einladen lässt im Vordergrund. Der gläserne Bürger, der Citizen Of Glass.

Ob nun der Manfred seiner Monika eine Hühnerbrühe zur Genesung kocht, ob der Enkel einer entfernten Freundin die ersten Worte spricht oder ob die Lieblingswochenendbeschäftigung des Sohnes des Bekannten aus der Nähe von K. das Fälschen der Steuererklärung von Onkel S. (Name von der Redaktion nicht geändert) ist, es ist ein unüberschaubares Feld, auf das nicht erst die Enthüllungen eines Herrn Snowden aufmerksam machten, die hier behandelt werden. Diese Thematik des überwachten und durchleuchteten Menschen jedoch war es, dieser immer mehr um sich greifende Verlust von Intimität und Privatsphäre, die die Singer-Songwriterin nicht mehr losließen und beschäftigten.

In ihrer Wahlheimat Berlin (sie wohnt in Neukölln und schätzt das durch seine Vielfalt und das Gewusel einen fast erschlagende Leben am Hermannplatz) hat sie sich die Zeit genommen, um an ihren neuen Songs zu werkeln.

Herausgekommen sind (zu) oft am Rande der Kitschigkeit entlangschrapenden Songs, denen mir persönlich der Zugang nicht so recht gelingen will.
Es packt mich nicht, es packt mich nicht.

Zu belanglos und zu, ja, gläsern wirken die Lieder auf mich.
Fast schon gelangweilt nichtssagend beispielsweise ihr Spiel mit Mittelalterlichem Klanggut auf Red Virgin Soil.

Schrägheit ist etwas, was mir in ihrer Musik bislang nicht gefehlt hat. So jault It’s Happening Again mit leidenden und immer wiederkehrenden sirenengleichen Streichermomenten vor sich hin, kommt aber nicht vom Fleck.

Wenn in Golden Green ihre Stimme kieksend vervielfacht wird, ist dem ein gewisser Reiz nicht abzusprechen, es bleibt aber die Melodie dabei auf der Strecke.
Es reicht nicht aus, wie die Mediaeval Babes zu klingen und dabei das x-te altertümlich anmutende Instrument zum Vibrieren zu bringen.

Das verzerrte Grashopper ist auch kaum mehr als ein unvollständig scheinendes Kinderlied, dem sowohl Zusammenhalt als auch Inspiration zu fehlen scheint.

Natürlich macht es immer noch Freude, ihr zuzuhören, letzten Endes bleibt bei mir aber das Gefühl von Enttäuschung zurück, wenn sich
Citizen Of Glass
mit seinem besten Stück, Mary,
seinem Ende nähert.

° ° °
AGNES OBELCitizen Of Glass
(PIAS, 10/2016)

72/100

agnesciti.jpg

Stretch Your Eyes
Familiar
Red Virgin Soil
It’s Happening Again
Stone
Trojan Horses
Citizen Of Glass
Golden Green
Grasshopper
Mary

° ° °

Live:
28.10. Düsseldorf, Johanniskirche
29.10. Düsseldorf, Johanniskirche (ausverkauft)
30.10. Stuttgart, Liederhalle Mozart-Saal
04. & 05.11. Weissenhäuser Strand
14.11. Berlin, Admiralspalast
15.11. München, Theaterfabrik

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