Wirklich tanzen will niemand: JENS LEKMAN -Life Will See You Now

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(photo & allrights: Jens Lekmann fb)

° ° °
Hauptsache, man ist gesund.
Wenn nicht, kann man sich seinen Tumor auch mit seinem 3D-Drucker ausdrucken und ihn in der Brusttasche mit sich herumschleppen. Kinda lookin‘ cool, irgendwie.
Und dann kann man immer noch hoffen. Und dankbar sein, wenn man in den Abendgebeten der Freunde sein Plätzchen findet.

JENS LEKMAN

geht nun anders.
Gar nicht mehr diese stille Zurückhaltung. Kein altertümlicher Bombast, kein in Samt geschlagener Pop. Davon ist hier wenig.
Hier gibt’s Calypso, hier gibt’s karibische Stimmung, Disco-Beats, Handclaps und man kann tanzen zu seiner Musik ohne dass einem dabei die Beine einzuschlafen drohen.

Ist das gut? Oder ist das böse?
In jedem Fall unerwartet und es fühlt sich trotz des typischen, ganz persönlichen Klangs seiner Musik anders an.

Wieder einmal, und das ist nicht neu, erleben wir einen Künstler, der mit Einfühlsamkeit die wirklich flüchtigen Dinge des Lebens fein beobachtet um sie dann zu seinen persönlichen kleinen Stories umzufunktionieren und auszubauen.

2015, von Zweifeln geplagt und sich die Frage stellend, ob er denn überhaupt mit dem Musikmachen fortfahren soll (kann?) hat er sich selbst ein Projekt geschaffen:
Ein Song jeden Tag. Betitelt mit Postcard #1 -…

Einer dieser Titel, die Nummer #17, die hat es nun auf sein neues Album geschafft.
Und wie man feststellen darf, seine Überlegungen, seine Krisen und Zweifel haben offenbar ein Gros neuer Kreativität freigesetzt und natürlich sind wir alle/größtenteils dankbar, einen so sympathischen und charmanten Musiker mit neuen Songs präsentiert zu bekommen.

Seine Songs lassen die Grenzen verschwinden und unscheinbar werden, Grenzen, die man sich selbst setzt, Grenzen zwischen dem Leben und der Kunst, Grenzen der Kunst der Musik.

Im vorab veröffentlichten What’s That Perfume That You Wear? spürt man geradezu den leichten Hauch der salzigen Meeresluft, vermischt mit dem Schampooduft aus dem Hotelzimmer.
Man kommt ja oft nicht umhin, als erstes wenn man in ein Hotelzimmer tritt, die Goodies in Augenschein zu nehmen, sei es ein Bleistift, eine Postkarte mit dem Stempel der Unterkunft, sei es ein in Plastik gehülltes Stückchen Schoki oder eben das Duschbad und die wasserundurchlässige Duschhaube.
Davon kann

JENS LEKMAN

Lieder singen, das ist der Stoff, aus dem seine Träume sind, in denen seine Momentaufnahmen zu Tönen werden und zu leben beginnen.

Er beobachtet nicht mehr ausschließlich, er lernt und berichtet über seine Ängste, seine Gedanken. Und übernimmt Verantwortung.

Bei all diesen Bewegungsfreude fördernd-funkigen Klängen vergißt man, dass draußen vor dem Tore noch fast die Lichtlein in den Tannen sitzen und eigentlich Winter ist.
Man sollte einfach warten.
Auf die Sonne und die in brütender Hitze sich windenden, dörren Halme der Wiesen.
Dann passt die Musik eventuell besser zur Landschaft.
Nur tanzen will dann ja bei der Hitze auch wieder niemand.

° ° °
JENS LEKMANLife Will See You Now
Secretly Canadian, 17.2.2017

86/100

jens

To Know Your Mission
 Evening Prayer
Hotwire the Ferris Wheel
What’s That Perfume You Wear?
 Our First Fight
Wedding in Finistère
How We Met, The Long Version
 How Can I Tell Him
 Postcard #17
 Dandelion Seed

° ° °

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