Vom Winde verweht: LONDON GRAMMAR – Truth Is A Beautiful Thing

Uuuuuuhhhhhhhh…..
Lange musste Fan warten, nun ist das zweite Album von

LONDON GRAMMAR

erschienen und hat schon im Vorfeld für Wirbel gesorgt.

Sind Gitarrist Daniel Rothman, Dot Major und Sängerin Hannah Reid vielleicht ja doch die besseren The XX?

Und, klare Antwort, nö, glaub nicht.
Reihen sich zu unbedeutend die verhuschten Synthies, diese immer präsente Traurigkeit, das sehnsuchtsvolle Fiepen, angedeutete wabernde Bässe und die leider nicht wirklich überzeugede Stimme in Songs, die einfach nicht zünden und hängenbleiben.

Austra, Chvrches.. Dreampop-Acts mit hervorstechendem, beeindruckendem Damengesang gibt es mittlerweile zuhauf und leider fallen
LONDON GRAMMAR
nicht in diese Kategorie.

Auch Verkaufsrang 198 bei amazon, Stunden nach Erscheinen spricht eine deutliche Sprache (mittlerweile Rang 8…). Sie sind nicht (mehr) der kleine Act, der um jeden Fan buhlen muss, sie füllen Hallen (Minuten nach Ankündigung waren einige ihrer angekündigten Konzerte bereits ausverkauft) und sind Millionenseller.

Dazu stellt sich mir die Frage, ob sie diesen Ansprüchen gerecht werden oder gerecht werden können.
Denn im Gegensatz zu den oft recht eingängigen Songs des ersten Albums werden auf Truth Is A Beautiful Thing
die Hörer auf die Probe gestellt.
Rooting For You als erste Single hat da mit seiner Minimalität einen guten Ansatz geliefert. Das ist, für den „normalen“ Radioeinsatz schon.. eher ungewohnt und fordernd. Rooting For You klingt ehrlich, unaufgesetzt und weiß in seiner eindringlichen Stille Überzeugungsarbeit zu verrichten.
Aber nun ja.
Thematisch ist diesmal auf Albumlänge eher das Innenleben gefragt, wie man so zu seinem Leben steht, was man an sich selbst hat, ob man den Weg der Tugend wählt..

Ausgelegt auf emotionalen Tiefgang wirken auch ihre Songs, lasziv-gehaucht bis auf- oder eindringlich die Lyrics von Hannah Reid, dargeboten inmitten versprengter Gitarren und schwermütig wehender Synthieteppiche bzw. häufig ausschließlich Pianobegleitung bisweilen langatmig und nichtssagend.

Zu Beginn, nach der Eröffnungssingle folgt Big Picture und erinnert die älteren unter uns vielleicht ein wenig an Jennifer Rush, macht aber nichts.

Wild Eyed rettet sich gerade so irgendwie über die Zeit ohne nennenswert Eindruck zu hinterlassen.

Oh Woman Oh Man, eingeleitet ausschließlich mit Stimme und leisem Piano wechselt recht schnell in umfassende Choräle, kehrt dann zu seiner anfänglichen Ruhe zurück. Gutes Stück.

Auch Hell To The Liars kommt aus dem Tal der Tränen nicht heraus und lässt trotz gefühlvollem E-Piano den gewissen Moment des „Hey, cool“ vermissen, auch der gegen Ende einsetzende Elektrobeat und fast Ultravox-mahnende Synthieeinspielungen geben dem Titel nicht die erforderliche Würze.

Sommerliche Tränen kann man danach dann zu Everyone Else vergiessen, ist der Refrain doch in seiner Hoffnungslosigkeit wie dafür geschaffen, der Vergangenheit nachzuhängen und verpassten Chancen Raum für Erinnerung zu geben.

Erster Titel der ohne Kritikpunkte zu überzeugen weiß ist Non Believer. Keine Ausrutscher und eine leichtgängigere Melodie, fast tanzbar (eng, klar, ganz eng) laden die Hintergrundbeats ein.

Bones Of Ribbon schleicht behutsam heran und führt Reid an den Rand ihrer Möglichkeiten. Ein wenig atemlos kommt sie rüber, wenngleich der Titel in seiner langsamkeit nicht wirklich Grund für dieses sein kann, kommt doch erst mit Minute drei ein wenig mehr Geschwindigkeit in die Klänge, That’s Just The Way It Is.

Who Am I feiert sich selbst und zelebriert Traurigkeit ohne Tiefgang.
Ich weiß nicht.

Erst mit Leave The War With Me kommt wieder ein wenig Bewegung auf. Und wäre da nicht der sirenenhaft über allem hängende, heulende Gesang wäre dies ein überzeugendes Stückchen und eine Erinnerung wert.

Im Titelsong wird nochmal ganz dick die Stille und die Melancholität gefeiert.
Manchmal ist Ruhe nicht gleichbedeutend mit Entspannung.

Nun.. ich bin ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht.
Die Stimme nervt mich und für Heulen unter der Bettdecke bin ich gerade auch nicht zu haben.

Hm. Vorerst leider vertane Chance.
Vielleicht werde im Herbst nochmal einen Versuch starten.

° ° °
53/100

LONDON GRAMMARTruth Is A Beautiful Thing
Ministry Of Sound Recordings (9.6.2017)

londco

Rooting For You
 Big Picture
 Wild Eyed
 Oh Woman Oh Man
 Hell To The Liars
 Everyone Else
 Non Believer
 Bones Of Ribbon
 Who Am I
 Leave The War With Me
 Truth Is A Beautiful Thing

° ° °

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