Erfahrung und Unschuld: SIOBHAN WILSON – There Are No Saints

 

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(photo & allrights: SIOBHAN WILSON / Gemma Dagger)

° ° °

SIOBHAN WILSON
verzaubert ohne Zauberstab.
Sie ist für uns mit ihrer Musik ein Freund, ein guter Freund.
Und bekanntlich gibt es nichts besseres auf der Welt.

Songs wie Begleiter, Songs die innehalten lassen.
Songs, denen man andächtig lauscht, die Freude bereiten, die beim Traurigsein einen Lichtblick darstellen, die an den richtigen Stellen schweigen oder Dich ermuntern, aufmuntern. Die unverhofft auch einfach Spaß machen. Ganz einfach.

Schimmern stellenweise ganz leicht western-coastartige Stimmungen durch’s Bild erinnern diese an Julia Stone, Rosie Vela oder Neko Case.
In aufreibend wilden Momenten stürzt man sich hinein in den Klang, ihre Stimme und fühlt sich ein wenig durcheinander, muss sich sammeln um die Eindrücke einzuordnen.
Ein kleines Abenteuer, das einen die Luft ganz tief einatmen und anhalten lässt.
Wie beim Gehen ins Meer, tiefer, tiefer, weiter. Vorsichtig ein Stückchen, das Wasser geht nun schon bis knapp unter den Bauchnabel, dann.. ein Sprung, ein Eintauchen, ein Ausatmen..

Ein stilles, wagemutiges und einnehmendes Album, das durch seine ruhige und intime Ausstrahlung beeindruckt und kaum richtig zu fassen und zu beschreiben ist.
Durch englisch und französische Intonation ergibt sich eine bittersüße Melange, eine aufrichtig scheinende Beziehung zwischen verlorenen Herzen, stürmischer leidenschaftlicher Hingabe, sich öffnend, bar jeden Schutzes, klar, direkt, einfach.

Die Redewendung aus einer Mücke einen Elefanten machen
ist meist negativ behaftet.
Wilson schafft es aber, aus kleinen Dingen ein großes, ein übermächtiges Ding zu erschaffen.
Aus kleinen Samenkörnen wachsen schließlich auch binnen kurzer Zeit riesige Kürbisse. Und wenn man ein kleines Bäumchen sät, wird mit etwas Glück in 100 Jahren ein riesengroßer Schattenspender daraus, in dem glückliche Kinder herumklettern.

Manchmal helfen existentielle Krisen, die Kreativität anzukurbeln, in geordnete Bahnen zu lenken und auch neue Gedanken zuzulassen. So auch in ihrem Fall.
Nach einem, wie sie sagt „epic love fail“ mit ihrem damaligen Freund (zu ihrer Zeit in Paris) war sie nahe am Verzweifeln. Nach fünfjähriger Beziehung haben sich beide getrennt. Wiedergesehen hat sie ihn seither nicht.
Der Song Paris Est Blanche handelt hiervon und trotz der eher unglücklichen Geschichte findet er sich dennoch auf ihrem neuen Album, als Erinnerung an einen wundervollen Moment und das Gefühl, verliebt zu sein.

Die meisten der hier vertretenen Songs wurden quasi „live“ eingespielt, nur zum Teil bearbeitet und direkt auf dem Album verewigt.

There Are No Saints
ist ein zutiefst persönliches, ein nahegehendes Werk, eines mit enormem Potential, deren Tiefe und Eindringlichkeit sich nicht auf den ersten Blick offenbart sondern nach und nach zutage tritt. Es braucht eine Weile, wie ein guter Rotwein, der erst einmal gelagert werden will um zu reifen.

So ist es eben mit Werken für die Ewigkeit.

° ° °

94/100

SIOBHAN WILSONThere Are No Saints
Song By Toad,  14.7.2017

siobhanco

There Are No Saints     
 Whatever Helps   
 Dear God     
 Paris Est Blanche    
 Disaster and Grace   
 J’attendrai     
 Incarnation    
 Make You Mine    
 Dark Matter    
 Dystopian Bach    
  It Must Have Been the Moon 

 

 

 

Ein lesenswertes Track by Track-Interview mit Siobhan gibt es hier bei Drowned In Sound

///

english translation:

SIOBHAN WILSON
is enchanting without magic wand.
She is a friend, a good friend for us with her music.
And, as is well known, there is nothing better in the world.

Songs like companions, songs that stop us doing anything than listen to them.
Songs, which are listened to with reverence, which bring joy to those who, when they are sad, present a glimpse of the light that keep silent or encourage you in the right places. Songs which can be also simply fun. Very easily.

Glimmering some western-coast-like moods through the sounds reminds us to Julia Stone, Rosie Vela or Neko Case.
In wildly wild moments you plunge into the sound, into her voice and came out a little confused, must gather yourselves around the impressions.
A small adventure that lets you inhale and breathe deeply.
Like going into the sea, deeper, deeper, farther. Carefully a bit, the water now goes just below your belly, then .. a jump, a dive, an exhale ..

A quiet, daring and engaging album, which is impressed by its calm and intimate charisma and can hardly be grasped and described.
Through its English and French intonation, a bittersweet melange, a sincere seeming relationship between lost hearts, stormy passionate surrender, opening up, bare of any protection, clear, direct, simple.

The speech from a mosquito make an elephant is usually negatively affected.
Wilson, however, manages to make a great, a powerful thing out of small things.
From small seedlings grow huge gourds within a short time. And if you sown a small sapling tree, with a little luck in a hundred years, a giant shadow giver will come out of it, where happy children climb around.

Sometimes existential crises help to stimulate creativity, to guide into orderly ways and also to allow new thoughts. So also in her case.
After one, as she says „epic love fail“ with her friend at her time in Paris, she was close to despair. After a five-year relationship they both separated. She has not seen him since then.
The song Paris Est Blanche is about this and despite the rather unhappy story, it finds still an own place on her new album, as a reminder of a wonderful moment and the feeling of being in love.

Most of the songs represented here were recorded „live“, only partially edited and immortalized on the album.

There Are No Saints
is a profoundly personal, an approaching work, one with enormous potential, whose depth and penetration are not revealed at first sight, but are gradually revealed. It takes a while, like a good red wine that wants to be stored first to mature.

So it is with music for eternity.

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