Neuzeithymnose: DESTROYER – Ken

danbeba.jpg

(photo & allrights: Dan Bejan / Destroyer /FB)
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Dan Bejan, seines Zeichens Gründungsmitglied der New Pornographers, bringt mit seinem brandneuen, zwölften Album
Ken
ein wunderbar herbstfarbenes Indie-Pop-Songwriter-Ding auf den Markt und übertrifft sich wieder einmal selbst – beweist er hier einmal mehr, das er zu den meistunterschätzten Songwritern des letzten Jahrzehnts anzusehen ist.

Seine über alle Maßen sympathische Erzählstimme könnte ebensogut Rezepte aus Kochbüchern repetieren, mit ein wenig Synthies und schrammeliger Gitarrenuntermalung versehen, es würde klingen wie das, was hier zu hören ist, was heißen soll, es schimmert, glitzert, blinkt überall und umarmt mit jedem Ton in seinem einschmeichelnden, oft sanftem Klang –  Wohlfühlkuscheln inklusive.

Paul Roland hat ähnliches erschaffen, wobei hier weniger die mittelalterlichen Instrumente und der Barock-Pop den Ton angeben als die Synthie-Pop-Meldodien der Neunziger, in denen man sich hier ausgiebig suhlen kann während der Künstler sich dreht und wendet und sich immer und immer wieder ganz wunderbar aus der musikalischen Vergangenheitsumklammerung herüberrettet.

Es blubbern die elektronisch gezeichneten Drums inmitten orchestral-queren Electronic-Melodien, es kreis(el)t die Gitarre, es trompetet in schleierverhangenen, beat-durchsetzten Songgerüsten (Ivory Coast), es perlt (New Order? Gary Numan? Ultravox? Pet Shop Boys?) gleich in verschiedenen neuen Stücken (Stay Lost, In The Morning, Tinseltown.. ) und man bekommt mit
Ken
(dessen Titelgebung an The Wild Ones von Suede angelehnt ist; jenes Popwerk sollte ursprünglich ebenfalls „Ken“ betitelt werden –
wie Bejar meint
„one of the great English-language ballads of the last 100 years or so“)
tatsächlich eine Herzklopfen bereitende Direktverbindung  (angereichert durch Lyrics mit offen politischen Statements) zwischen aktuellem Klangkosmos und den bereits erwähnten hypnotischen Hymnenschreibern des letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts.

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94/100

DESTROYERKen
Merge/Dead Oceans, 20.10.2017

destroco

Sky’s Grey
In The Morning
Tinseltown Swimming In Blood
Cover From The Sun
Saw You At The Hospital
A Light Travels Down The Catwalk
Rome
Sometimes In The World
Ivory Coast
Stay Lost
La Règle Du Jeu

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