Müde gestreichelt: SPEAK, BROTHER – Young & Brave

(photo & allrights: SPEAK, BROTHER)

° ° °

Nach relativ langer Vorlaufzeit haben die auf den ersten Blick energisch-fröhlichen wirkenden Jungs von

SPEAK, BROTHER

nun ihr Debüt-Album fertiggestellt und auf den Markt geworfen.

Pompös und rockig, einfühlsam, balladesk in einigen Fällen, stets mit einer großzügigen Prise Ästhetik versehen pendeln sie zwischen Yuppieh-Hafenkneipe und Stadionsound.
Zum Mitgröhlen sind mehrere Songs gut geeignet und unter Umständen kommen sie ja tatsächlich einmal vor einem wirklich großen Publikum zum Einsatz.

Denn bislang ist die Band eher im gemütlich familiären Rahmen unterwegs, wenngleich durch ihre Vorabsingles ein zunehmend breiteres Publikum auf sie aufmerksam geworden sein dürfte.

Young & Brave
klingt nach mehr, nach einem Schritt in Richtung „When Will I Be Famous“ und scheint immer in Bewegung.
Keinen Stillstand gönnt sich das Quintett, sind sie doch sehr mit dem ausgefeilten Sound ihres Albums rundum beschäftigt.

Sie scheinen mir wie romantisch veranlagte Märchenonkel, die ihrer Jugend in Form ihrer Lieder ein wenig hinterhertrauern, die liebend gern ihre Zeit mit ihren Kids verbringen und auch sonst einen ausgeprägten Sinn für Familie und gepflegte Abenteuerurlaube mitbringen. In Form gegossene und gebündelte Gefühlsduseleien.

Ihre Geschichten überlassen in der dargebotenen Erzählweise nichts dem Zufall, ein jeder Klang scheint durchdacht, geordnet und in Form gegossen.
Sänger James Herring klingt inbrünstig und bei der Sache ohne sich weitergehende Freiheiten in der Art des Vortrags zu gestatten.

Und hierin besteht das Manko dieses Werkes:
Es gibt
– von kleineren Spielereien, wie dem herrlich ausstaffierten, allumfassendem Wohlklang präsentierten Duett-Gesang mit Kirstie Smith in Father, einmal abgesehen –
keinen wirklichen Überraschungsmoment.
Es ist vorhersehbar und nahezu klinisch rein.

Man könnte, mit Verlaub, ein wenig Abwechslung wünschen oder ein Ausschlagen in egal welche Richtung.
Vielleicht gemein aber nicht gänzlich unerwartet wäre ein Vergleich mit den heuligen und unsäglichen Mumpf & Söhnen.
Hier sollte man tunlichst aufpassen, nicht weiter in gemächlich beschaulichen Singsang abzudriften und in Belanglosigkeit zu versinken,
bevor der Phoenix überhaupt dazu gekommen ist sich die Asche aus dem Gefieder zu schütteln.

Sofern irgendwo mal ein Knistern oder Knirschen in ihren Songs vorhanden war, wurde es durch die umfassend und umschauend agile
und aufmerksame Produktion von Gavin Monaghan weggesaugt.
So ist ein Album mit teils vielversprechenden Melodien und erzählenden Songs entstanden, dem aber eine gewissen Direktheit, Rauheit und Staub abgeht.

Mit der Musik ist es oft wie mit Sex. Man darf ruhig mal ein wenig schwitzen.

Hier wird die Dusche gleich mitgeliefert und für das Danach das wollwaschmittelweiche Handtuch in Übergröße vorgewärmt herübergereicht.

° ° °
68/100

SPEAK, BROTHERYoung & Brave

Magnificent
When We Were Young
The Pond Boy
Magnesium Burn
The Wild
Father
Princess
Lion’s Roar
Man Of Honour
Two Bands Of Gold
Empire

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