Unter Fremden: JEREMY JAY – Demons

 

Es gibt Platten, die gibt’s gar nicht.
Nicht offiziell.

So ist im letzten Frühjahr die neue Scheibe der Holograms veröffentlicht worden.
Irgendwo auf Soundcloud gab es die dann zu hören.
Bestellungen über ein schwedisches Label liefen verschiedenen Berichten zufolge ins Nichts und waren schließlich erfolglos.

Ähnlich geht es mir mit der Veröffentlichung von

JEREMY JAYs

neuem Album

Demons.

Da gab es im letzten Jahr schon erste Töne zu hören und jetzt gibt es Album-Launch-Shows.
Ansonsten – scheint es ausgesprochen schwierig und mir unklar, wie man an das Album gelangen könnte..

Demons

ist ein elektronisches Minimalfestival für Fans, seine stimmlichen Extravaganzen bleiben diesmal fast ausschließlich unter Verschluß, dafür gibt es jede Menge treibende, traumartige Passagen die vor sich hingleiten und man sich unverhofft dabei ertappt, die Augen geschlossen zu halten und einfach nur zu lauschen.

Neoromantische abseitige Synthieeskapaden, dazu der brüchig lasziv dahersingende

JEREMY JAY

das ist wie immer und doch ganz anders.
Denn vom Minimalisten zum in synthetische Watte gepackten Soundtüftler scheint ein weiter Weg.
Eigentlich.

Mit elektrifizierter Orgel geht es ins Album, Vöglein zwitschern dazu im Hintergrund, es scheint ein sonniger Tag zu werden, hat sich der Nebel erst einmal verzogen.
On The Brighton Shore macht mit Naturgeräuschen weiter, die über ein sich stets & ständig wiederholendes, sich nur minimal veränderndes elektronisches Gehämmer und eine nicht enden wollende Drumspur legt. Dann, nach dreiminütigem Hinhalten, die Stimme des Künstlers. Kühl, zurückgenommen. Abwartend.

Das Titelstück beginnt wie ein 80ger-Jahre Klassiker. Über hämmerndem Elektroschlagzeug eine sehnsüchtige Melodie und der langgezogene, hallunterlegte Gesang.

Auch Live By Night kommt mit wechselhafter Basslinie wie eine zahme Joy Division-Variante daher. Eine eigenwillige Gesangsführung mit kreischen und eingefügten Ausrufen, und dann, Gitarren. Ja, geht doch immer noch.

What Is There tönt wie Soft Cell zu Non Stop Erotic Cabaret-Zeiten, ebbt dann ab, kommt mit Sprechblaseneinwürfen zurück. Verwirrend.

Das folgende Stop Look And Listen nimmt den Melodiefaden auf, spinnt ihn fort. Ein schleichendes, hintergründig murmelndes Teil, halb schmeichelnd, halb bedrohlich.

What’s Goin‘ On übernimmt. Und lullt uns ein mit zarter Hand. Alles wird gut, so scheint es beabsichtigt.
Ein instrumentales Stück zu einem Film im Kopf. Irgendwo zwischen La Boum und Emmanuelle.

Und, zum Glück hat Muttern nie ein Wort dazu gesagt. Videospielgeballer über Golden Brown der Stranglers. Fast könnte man eine zusätzliche Reggaetaktung vermuten.
Nicht hinhören, nicht vermuten. Es sind Dämonen. Crazy.

Rausschmiß dann mit I Know I Can Fall.
Wissen wir.

Jeremy, ich bin unsicher was Du uns sagen möchtest.

° ° °

83/100

JEREMY JAYDemons

As The Smoke Clears
On The Brighton Shore
Demons
Live By Night
What Is There
Stop Look And Listen
What’s Goin‘ On
Mama Never Told Me
I Know I Can Fall

 

// in english:

Some records do not even exist.
Not officially.

Last spring the new disc of the Holograms was released. They said so.
Somewhere on Soundcloud you could hear that.
Orders via a Swedish label were reported to go nowhere and were ultimately unsuccessful.

I feel the same way about the publication of

JEREMY JAYs

new album

Demons.

There were already first notes to hear last year and now there are album launch shows.
Otherwise – it seems very difficult and unclear to me how one could get to the album…

Demons

is an electronic minimal festival for fans, his vocal extravagances this time remain almost exclusively under lock and key, but there are lots of driving, dream-like passages that glide in front of you and you unexpectedly find yourself keeping your eyes closed and just listening.

Neo-romantic off-beat synthieescapades, in addition the fragile lasciviously singing

JEREMY JAY

that’s the same as always and yet completely different.
Because there seems to be a long way from minimalist to sound tinkerer packed in synthetic cotton wool.
Actually.

With an electrified organ it goes into the album, birds twitter in the background, it seems to be a sunny day, the fog has disappeared.
On The Brighton Shore continues with natural noises, which lay over a constantly & constantly repeating, only minimally changing electronic hammering and a never-ending drum track.
Then, after three minutes of stalling, the voice of the artist. Cool, retracted. Waiting.

The title track begins like an 80s classic. Over hammering electric drums a longing melody and the long, reverberant vocals.

Live By Night also comes with a changeable bass line like a tame Joy Division version. An idiosyncratic vocal performance with screaming and inserted shouts, and then, guitars. Yeah, you’re still good.

What Is There sounds like Soft Cell at non-stop erotic cabaret times, then fades away, comes back with bubble voices. Confusing.

The following Stop Look And Listen takes up the melody thread, spins it away. A creeping, cryptically murmuring part, half flattering, half threatening.

What’s Goin‘ On takes over. And lull us one with tender hand. Everything will be all right, it seems intentional.
An instrumental piece to a film in the head. Somewhere between La Boum and Emmanuelle.

And, fortunately, Mom never said a word about it. Video gamblers about StranglersGolden Brown. One could almost assume an additional Reggae-Sound.
Don’t listen, don’t guess. There are demons. Crazy.

Then kick out with I Know I Can Fall.
We know.

Jeremy, I’m not sure what you want to tell us.

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