Im Raum aus Zeit und Gefühl: EXITMUSIC – The Recognitions

exitba

(photo & allrights: EXITMUSIC)

° ° °

Einst waren wir eins, wir waren eine Welt, unsere Welt. Wir teilten sie, unser eigenes Alles, uns und lebten darin, inmitten überbordender Gefühle, die unsere Gedanken fesselten.
Jetzt trennen uns Welten, in denen wir unsere Wege gehen werden, in denen wir noch eines haben, eine Verbindung die besteht: Unsere Musik.

EXITMUSIC

hat mit ihrem Debüt, noch mehr aber mit der folgenden LP The Passage vor einer gefühlten Ewigkeit ein unglaublich dichtes, fesselndes und faszinierendes Werk mit geisterhaft schönen Songs, die eine minimalistische Aura verströmten.

Dann… war es lange Zeit ruhig. Still.
Bis vor wenigen Monaten erste Rumoritäten auftauchten, die auf eine Wiederauferstehung vermuten und auf neues Material hoffen ließen.

Und nun.. ist mit
The Recognitions
ein neues Album entstanden, das bei Felte Records erschienen ist.

Die Geschichte ist kompliziert und doch banal: Aleksa Palladino, die mit ihrer einnehmenden Stimme auch dieser dritten Platte des Duos ihren Stempel aufdrückt und Devon Church steckten mitten in der Scheidung – ihre privaten Wege schienen nicht länger vereinbar. Eben darum war es auch nicht leicht, gemeinsam an diesem Album zu arbeiten. Um so bemerkenswerter das Ergebnis. Denn um es vorwegzunehmen: Diese lange Warten hat sich gelohnt.
Ein berührendes Werk mit dunkel gefärbter Elektronik, mit hintergründigen Sounds und Soundschleifen, mit entrückter Stimme und einer eher zurückhaltend traurigen Aura.

Nicht, das beispielsweise das Vorgängerwerk The Passage aus dem Jahr 2012 durch Fröhlichkeit und gute Laune geblendet hätte, nein.
Hier aber merkt man den Songs eine Ernsthaftigkeit an die vielen der heute erscheinenden ähnlich gelagerten Werke abgeht.
Hier bahnt sich die Wahrheit ihren Weg.

Ein stetes Voranschreiten ist in ihren Songs spürbar, ein Sehnen, Drängen, ein Vorwärts – nicht jedoch ohne einen gedankenverlorenen Blick in die eigene Vergangenheit zu riskieren und die Ereignisse mithilfe ihrer Songs aufzuarbeiten.

Es ist keine Abrechnung, es ist eher ein uns gewährter (Ein-)Blick in ein (noch) gemeinsames Tagebuch, in dem Geheimnisse und Sehnsüchte, auf deren Erfüllung man gehofft hatte, notiert sind.
Die meist sehnsüchtige Kühle der Töne trifft auf eine sich ganz offenbarende Stimme, die ausdrucksvoll schmachtet, die fordert, die klagt und erzählt.

Sie schaffen eine unvergleichlich intensive, spannungsgeladene Atmosphäre in denen sie kompromisslos scheinen ohne je die streichelnde Hand, die wunderbare Zeit des gemeinsamen auch außermusikalischen Weges zu vernachlässigen.

Mit Criminal gelingt den Beiden so etwas wie eine Single des Jahres – ohne bislang freilich überhaupt als Single veröffentlicht worden zu sein.
Ein spannungsgeladenes, befreiendes, hinterhältiges und ein wenig gehässiges Stück Musik, das Spannung aufbaut, sich weiter steigert, in irre Höhen driftet um dann wieder von der kühl und doch so intimen Stimme Aleksas auf den Boden der Realität zurückgeholt zu werden.

The Recognitions
ist ein großes, blinkendes hochgradig ästhetisches Signal, es hallt über die See, schwebend, unter einem die tosenden Wellen, Halt gebend. Wir finden unseren Weg.

Und hoffen, dass der Weg von

EXITMUSIC

nicht mit diesem Album enden wird.

° ° °
97/100

EXITMUSIC The Recognitions
Felte (20.4.2018)

exitmco

Crawl
Iowa
Closer
Gold Coast
To The Dephts
I’ll Never Know
Criminal
Trumpets Fade
The Distance

° ° °

 

// in english:

In A Room Of Time And Feeling

Once we were one, we were one world, our world.
We shared them, our own everything, ourselves and lived in them, amid exuberant feelings that captivated our thoughts.
Now worlds separate us, in which we will go our ways, in which we still have one thing, a connection that exists: our music.

EXITMUSIC

has with their debut, but even more with the following LP The Passage before a felt eternity an incredibly dense, captivating and fascinating work with ghostly beautiful songs that exuded a minimalist aura.

Then… it was quiet for a long time. Quiet.
Until a few months ago, the first rumors emerged, suggesting a resurrection and giving hope for new material.

And now… is with
The Recognitions
a new album, which was released by Felte Records. The story is complicated and yet banal: Aleksa Palladino, who with her engaging voice also left her mark on this third record of the duo and Devon Church were in the middle of a divorce – her private ways seemed no longer compatible. That’s why it wasn’t easy to work on this album together. This makes the result all the more remarkable.
Because to anticipate it: This long wait has been worth it.
A touching work with darkly coloured electronics, with subtle sounds and sound loops, with an enraptured voice and a rather reservedly sad aura.

Not that, for example, its predecessor The Passage from 2012 was dazzled by cheerfulness and a good mood, no.
Here, however, one notices a seriousness in the many similar works that appear today.
This is where the truth makes its way.

A steady progress can be felt in their songs, a longing, urging, a forward – but not without risking a thoughtless look into their own past and working through the events with the help of their songs.

It is not a reckoning, it is rather a (still) common diary, in which secrets and longings are noted, on whose fulfilment one had hoped, granted us.
The mostly longing coolness of the tones meets a completely revealing voice that languishes expressively, that demands, that complains and tells.

They create an incomparably intense, tense atmosphere in which they seem uncompromising without ever neglecting the caressing hand, the wonderful time of the common and non-musical path.

With Criminal the two succeed in doing something like a Single Of The Year – without ever having been released as a single.
A tense, liberating, sneaky and a little nasty piece of music that builds up tension, increases further, drifts to crazy heights and then is brought back to the ground of reality by Aleksa‘s cool yet intimate voice.

The Recognitions
is a large, flashing, highly aesthetic signal, it echoes over the sea, hovering, underneath a roaring waves, providing support. We find our way.

And hope that the road from

EXITMUSIC

won’t end with this album.

 

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