Harmonie des Nachtlichts: PALM GHOSTS – Architecture

 

(photo & allrights: PALM GHOSTS / hp)

° ° °

Tanzen wir, drehen uns im Lichtermeer des besucherüberströmten Festgeländes, die Karussels drehen sich, Zuckerwatte verklebt die Münder zahlreicher, trotz fortgeschrittener Uhrzeit noch wacher Kinder, angstvolle Schreie, wenn das Ungetüm von Fahrgeschäft aus riesiger Höhe dem Boden entgegenschleudert, die Achterbahn mit ihren wagemutigen Gästen. Hingegen leise das Riesenrad seine Runden zieht.

Ich stehe ja manchmal auf kitschig anmutende Klänge, wenn sie wie in diesem Fall in perfekter Harmonie im weiblich-männlichen Zwiegesang dargeboten werden und die Melodien der Band umwerfend klingen, ist natürlich schon mehr als die Hälfte gewonnen.

Hatte ich bislang von der Existenz dieser Band nichts gewusst, so haben sie mit ihrem eben erschienenen neuen Album
Architecture
ganz weit in die Liste meiner Lieblinge hineingespielt.
Fast jeder Song taugt für die persönlichen Jahreshits, das will etwas heißen und es heißt auf jeden Fall, dass hier hymnische Songs mit Ohrwurmqualität aneinander reihen.

Die Helligkeit der Nacht für sich zu entdecken und am hellichten Tag die Dunkelheit. Gegensätze, die keine sind, sondern Ergänzungen, stilles Nebeneinander, zusammengefügt und im Klang verbunden, wie hier auf dieser äußerlich unscheinbaren und im Inneren so großen, glänzenden Veröffentlichung der

PALM GHOSTS.

Joseph Lekkas als Sänger und Bassspieler liefert sich atemberaubend spannende, entspannende und reizvolle Duette mit Erica Whitney Wilkes, die neben dem Gesang noch an den Keyboards zu finden ist.
Ben Douglas (Gitarre & Keyboards), Jason Springman (Gitarre) und am Schlagzeug Rene Lambert vervollständigen das Bandgesicht dieses sympathischen Outfits aus Nashville.

Es geht in Architecture um Gegensätze, um verschiedene Sichtweisen ein und derselben Sache, den unsichtbaren Geistern, dem Gut & Böse in unserem Alltag.
Gegensätze, die einander anziehen, wie Magneten im einen Moment untrennbar miteinander verbunden, im nächsten Moment bringt sie nichts zusammen.
Ein großes Ganzes, aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt, verbunden – wie in der Architektur.

Ihre Stimmen verschlingen sich ineinander, verhaken sich, lösen sich voneinander, können nicht ohne einander, bilden ein gemeinsames Objekt der Begierde, deren Unvollständigkeit ohne den Anderen spürbar, ja fühlbar scheint. Ein Schrei nach Gemeinsamkeit, Zusammengehörigkeit und gebündelter, vereinter Energie, die sie in Song wie A Lover’s Quarrel zu einem uneinnehmbaren Turm (um bei der titelgebenden Architektur zu verweilen) aufbauen, aus dem es kein Entkommen, kein Davonschleichen zu geben scheint. Insomnia, ein weiteres unschlagbar gelungenes Beispiel ihrer dunklen Vielseitigkeit ist ein traumhaft beklemmend schöner Song, der einem einfach nur Gänsehaut macht.

In ihren einfach mitreißenden Melodien versinkt man freudig, lässt sich fallen weil man weiß, man wird (auf-)gefangen, gehalten, getragen von intelligenter Gemeinschaft.
Man fühlt sich ein wenig zurückversetzt in die fernen Abenteuer der Leinwandhelden im Traum nach Größe und Gerechtigkeit. Klänge, die weniger Dreampop, vielmehr treibender Keyboardsound in akzentuiertem Bassspiel, mit Indie-Pop-Glitzereien und dem Auf- und Abgleiten ihrer sich ergänzenden Stimmen und schwungvollen Stimmungen, mit knackigen Electronics und einnehmender Romantik aus New Wave-Zeiten.

Wenn mit Who Knew Me Better Than You die Welt untergehen würde, wäre das einfach nur egal und auf surreale Art wunderschön.
Somit ist dies hier vielmehr (als) ein brandaktueller Trip ins Jenseits, traumgleitend und unstoppable.

° ° °

96/100

PALM GHOSTSArchitecture
Ice Queen Records / Flour Sack Cape Records. 8.6.2018

Love In Winter
The Hound
Cortisol
The Crown And The Confidant
Who Knew Me Better Than You
Rhythm To Rage
A Lover’s Quarrel
Red Horizon
Swan Dives

 

https://www.youtube-nocookie.com/embed/Hs9iUqmX2eI?rel=0

// in english:

 

Let’s dance, turn in the sea of lights of the crowded fairground, the merry-go-rounds turn, cotton candy clings to the mouths of numerous children who are still awake despite the advanced time, fearful cries when the monstrosity of the ride throws at the ground from enormous heights, the roller coaster with its daring guests. The Ferris wheel, on the other hand, makes its rounds quietly.

Sometimes I like kitschy sounds, when they are presented in perfect harmony in female-male compulsive singing and the melodies of the band sound stunning, is of course already more than half won.

If I hadn’t known about the existence of this band so far, with their just released new album
Architecture
they made it far into the list of my favorites.
Almost every song is suitable for the personal hits of the year, which means something and it means in any case that hymnal songs with catchy quality line up here.

To discover the brightness of the night for oneself and in broad daylight the darkness. Opposites that are not, but additions, quiet coexistence, joined together and connected in sound, as here on this outwardly inconspicuous and inside so great, brilliant publication.

Joseph Lekkas as singer and bass player delivers breathtakingly exciting, relaxing and charming duets with Erica Whitney Wilkes, who can be found not only on the vocals but also on the keyboards.
Ben Douglas (guitar & keyboards), Jason Springman (guitar) and drummer Rene Lambert complete the Bands Lineup-face of this likeable outfit

PALM GHOSTS

from Nashville.

Architecture
is about opposites, about different perspectives of one and the same thing, the invisible spirits, the good & evil in our everyday life.
Opposites that attract each other like magnets inseparably connected in one moment, in the next moment nothing brings them together.
A large whole, composed of different parts, connected – as in architecture.

Their voices intertwine, become entangled, detach themselves from each other, cannot do without each other, form a common object of desire, whose incompleteness seems perceptible, even palpable without the other. A cry for togetherness, togetherness and concentrated, unified energy, which they build in song like A Lover’s Quarrel into an impregnable tower (to linger with the architecture that gives the title), from which there seems to be no escape, no sneaking away. Insomnia, another unbeatably successful example of their dark versatility is a dreamlike oppressively beautiful song that just gives you goose bumps.

You sink joyfully into their simply rousing melodies, let yourself fall because you know you are (caught) held, carried by an intelligent community.
You feel a little transported back into the distant adventures of the screen heroes in a dream of greatness and justice. Sounds that are not so much three-ampop, but rather driving keyboard sound in accentuated bass playing, with indie-pop glitter and the ups and downs of their complementary voices and lively moods, with crisp electronics and engaging romance from New Wave times.

If the world would end with Who Knew Me Better Than You, it wouldn’t matter and it would be wonderful in a surreal way.
So this is rather (more as) a brand-new trip into the afterlife, dream gliding and unstoppable.

 

 

 

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