stillba

(photo & allrights: STILL CORNERS / fb)

° ° °

Dicke Luft?
Nun, kann man so nicht sagen.
Eher dünne Luft oder so etwas wie heiße Luft.
Viel Luft um nichts – oder um nicht viel.

Das nun vorliegende vierte Album der

STILL CORNERS,

zugegebenermaßen eine meiner liebsteren Bands der jüngeren Vergangenheit hat mit geheimnisumwobenem Wabersound, der zu ihren besten Zeiten (2013 landete ihr Strange Pleasures-Werk verdientermaßen ganz vorn in meinen Jahresklangwelten, das Debüt Creatures Of An Hour gehört noch immer zu von mir gern gehörten Scheiben) ihre Kompositionen traumgleich in unser Gehör trug nicht mehr all zu viel gemein, es ist ein eher sehr entspannt geratenes Ding, ein vermeintliches Wohlfühl-/Wohlklangsteil geworden, mit fast eingängig (eintönig?) zu nennenden Beats, gar country-(americana) ähnliche (im entferntesten Sinne) Zwischentönen (The Message), die in Richtung Mojave 3 wandern. Dazu haben unheilvoll tönende Ricky King-Gitarren (ebenfalls The Message)  Platz genommen, da wo früher undefinierbare, schwer einzufangende Synthiewölkchen waberten und sich Raum und Luft verschafften.

Ein Easy-Listening-Werk sozusagen.
Die vorab als Single zu hörende Black Lagoon knüpft noch am ehesten an die Vergangenheit an, Whisper kommt dem ebenso recht nahe und vermittelt eine latente eine hintergründig bleibende Spannung,
ohne damit zum ganz großen Wurf ausholen zu können.
Fast kraft- oder bisweilen gar emotionslos scheinen sie in ihrer Ecke zu verharren, ruhen sich eher aus, als dass sie versuchen, Neuklangzonen zu ergründen
oder innovativ zu sein und aufregend zu klingen.

Noch immer gibt es die verhuschten Singschnipsel von Tessa Murray, noch immer werden die Tasten und Produzentenknöpfe von Greg Hughes bedient… insgesamt aber ist hier alles viel zu oft einfach zu leichte Kost, leicht zugänglich wohl (positiv gedacht) aber spannungsarm und nur in seltenen Momenten geheimnisvoll.
Damit berauben sich die Beiden selbst ihrer Kreativität oder lassen sie sich nur zu selten entfalten.
Fade Out ist ein an vertraute Achtziger Jahre-Synthieklänge erinnerndes kleines Teil, welches – oh, Wunder! – unliebsam und ohne Rücksicht nach knappen zweieinhalb unliebsam ausgeblendet wird.

Man könnte auch sagen (positiv gedacht), sie verfeinern ihren Stil.
Man könnte sagen, wir haben mehr leichten Dreampop mit Anbiederungen an Beliebigkeit. Von Hintergründigkeit und Esprit ist hier leider nicht viel zu spüren, Shoegaze-ige Elemente sind verschwunden oder zu deren Unkenntlichkeit vermatscht worden. Da helfen eingesampelte Zerrgitarren (wie in The Photograph) nur wenig, den doch leider zwiegespaltenen Eindruck des Albums aufzupolieren.

Thematisch ist einheitlich von der Endlichkeit inniger Gefühle, von verpatzten Beziehungen, neidvollen Blicken auf Ex-PartnerInnen mit deren zukünftigen Ex-Partnern die Rede, von Verbundenheit in zeitlich begrenztem Umfang, von traurigen Filmen und damit verbundenen Erinnerungen an vermeintlich bessere, von großem Gefühl durchdrungene Zeiten.

Spannend ist hier vornehmlich eben diese Erinnerung an Zeiten, in denen das Duo noch bereit war, eigene Abenteuer zu unternehmen und sich nicht nahezu ausschließlich ins von ihnen gemachte Bettchen zu legen und die Welt an sich vorbeiziehen zu lassen.

Hierzu ist
Slow Air
dann aber bestens geeignet.

° ° °

71/100

STILL CORNERSSlow Air

stillcoco

In The Middle Of The Night

The Message
Sad Movies
Welcome To Slow Air
Back Lagoon
Dreamlands
Whisper
Fade Out
The Photograph
Long Goodbyes

° ° °

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