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Was vom Namen her klingt wie ein russisches Folkloremerkmal überrascht mit frischer Energie und einem großen Wurf – zurück in die Zeit, als Shoegaze und Indie-Pop ihre Hochzeiten erlebten, Originale wie Lush, Pulp, Garbage, My Bloody Valentine oder Jesus & Mary Chain noch (musik-)weltmaßstäblich beeinflussend aktiv waren.

Als wären nicht Jahre oder Jahrzehnte vergangen sondern allenfalls Wochen klingen

PIROSHKA

nach guter Laune, nach durchtanzten Nächten, verschwitzten T-Shirts und einer Menge Spielfreude.

Die Band, gern auch als Supergroup bezeichnet, setzt sich zusammen aus Miki Berenyi von Lush, Moose (KJ Moose McKillop), Justin Welch von Elastica und Mick Conroy von den schon längere Zeit verschollenen Modern English.
Man kann eigentlich gar nichts falsch machen mit so einer Besetzung und doch.. kratzt man sich kurz (wirklich nur kurz) am Kopf und ruft sich weniger gut geratene Comeback-Alben in Erinnerung.

Hier jedoch: Alle Neune.
Also, fast zumindest.
Mit Miki Berenyi am Gesang möchte man in Jubelrufe ausbrechen und „Hurra“ in die Runde werfen. Nur zu!

Ihre Songs haben Substanz, eine gleichbleibend hohe Qualität und machen durchweg Spaß. Man hat weniger das Gefühl, hier wollen altverdiente Musiker ohne rechte Einnahmequelle nochmal in die Schlagzeilen, nein, vielmehr wird das Gefühl einer Jugend heraufbeschworen und mit der oft fehlenden Erfahrung zu einem gelungenen Ganzen zusammengeetzt.

Village Of The Damned mit seinen hingeschmissenen fiedelnden Gitarren und beschwingten Bläsereinwürfen, dem Fixx- (Less Cities..)schen Drumgerüst ist ein schwelgerisch dahintreibendes Stückchen Popmusik.

Never Enough hat etwas von Blondie der 80ger, Handclaps allerorten und seufzenden Chören im Hintergrund, es ist Montag früh und man sollte nicht verzweifeln.

Wenn dann in What’s Next einfach mal g’scheit auf die nicht enden wollenden Haßtiraden und FBN’s aus den Medien gemotzt wird, spätestens da wird klar, dass die Band nicht nur musikalisch etwas zu sagen hat.

Ganz in ihrem Ursprungselement begibt sich Miki Berenyi in Blameless in vergessen geglaubte Klänge, die damals Dein Herz öffneten und sommerliche Schnappatmung bei jedem Wiederhören verursachten und der Erinnerung an die Geschehnisse dieser Zeit zurück in die Gegenwart katapultiert.

Jüngere Hörer mögen diese Erinnerungen fehlen, wer jedoch ein Faible für verschachtelte Pop-Chan-Songs in seinem Herzen verborgen hält, für den ist dieses Lied genau das richtige.

 Brickbat
ist wie eine überraschende Begegnung mit einer alten Freundin.
Man weiß, die Zeit ist vergangen, die Momente die damals die Welt bedeuteten kommen nicht zurück und doch ist wie immer: Die Gefühle sind da, man versteht sich auf Anhieb und eigentlich ist das Leben ja doch ganz schön klasse.

° ° °

93/100

PIROSHKABrickbat
Bella Union, 15.2.2019

piroshkaco

This Must Be Bedlam
Village Of The Damned
Never Enough
Blameless
What’s Next?
Hated By The Powers That Be
Run For Your Life
Heeartbeats
Everlasting Yours
She’s Unreal

 

// in english:

Life’s still gorgeous

What sounds like a Russian folklore feature surprises with fresh energy and a big litter – back to the time when Shoegaze and Indie-Pop experienced their best times, when originals like Lush, Pulp, Garbage, Inspiral Carpets, My Bloody Valentine or Jesus & Mary Chain were still active influencing (music-)world scale.

As if not years or decades had passed, but at best weeks sounded like

PIROSHKA

after a good time, dancing through the night, sweaty T-shirts and a lot of fun.

The band, also known as kind of a supergroup, is composed of Miki Berenyi from Lush, Moose (KJ Moose McKillop), Justin Welch from Elastica and Mick Conroy from Modern English, which has been really lost for a long time.
You can’t really do anything wrong with such a line-up and yet… you scratch your head briefly (really only briefly) and recall less well done comeback albums.

Here however: All Nines.
Well, almost at least.
With Miki Berenyi singing, you want to break into cheers and hurrah into the crowd.
Go ahead!

Their songs have substance, a constant high quality and are fun throughout. You don’t have the feeling here that well-earned musicians without any real source of income want to make the headlines again, no, rather the feeling of youth is conjured up and combined with the often missing experience to a successful whole.

Village Of The Damned with its fiddling guitars and lively horn interjections, the Fixx-like (Less Cities…) drum framework is a little piece of pop music that drives you along.

Never Enough has something of Blondie in the 80s, handclaps everywhere and sighing choirs in the background, it’s Monday morning and you shouldn’t despair.

When in What’s Next the never-ending hate tirades and FBN’s from the media are just pestered, it becomes clear that the band doesn’t only have something to say musically.

Completely in their original element Miki Berenyi goes into Blameless into forgotten sounds, which opened your heart at that time and caused summery snap breathing at every rehearsal and catapulted the memory of the events of that time back into the present.

Younger listeners may miss these memories, but if you have a soft spot for nested pop chan-songs in your heart, this song is for you.

Brickbat
is like a surprising encounter with an old friend.
You know, time has passed, the moments that meant the world then don’t come back but, and yet, as always, the feelings are there, you get on with each other right away and despite all that: life is actually quite georgeous.

 

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