Was ich will: LAURA STEVENSON – The Big Freeze (review)

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(photo & allrights: LAURA STEVENSON / Daniel Iverson)

 

Zu oft, viel zu oft wird dieser Vergleich mit den Engelsstimmen zur Beschreibung jedweder Musikk herangezogen.

Deswegen werde ich nichts dergleichen sagen, so von wegen,

LAURA STEVENSON

tönt in jeder Note wie ein Engel, ihre engelsgleiche Stimme verschafft eine Gänsehaut nach der anderen, leicht und verwunderlich, schwebt ihre Engelsstimme über ihren intensiven Folknummern.. nein. Nichts dergleichen.
Man könnte auch sagen, die in New York lebende Künstlerin betört halb flüsternd, halb Falsetto-like ihre Zuhörerschaft mit ihren sympathischen Klängen, die erstmals 2010 auf ihrer ersten Solo-Scheibe erschienen.

Und obgleich der ganz große Erfolg bisher ausblieb, verlor sie nie die Lust auf’s Musikmachen und die Komposition eigener Songs.

Sie klingt erhaben, abgehoben im positiven Sinne, im Vergleich zu älhnlichen Veröffentlichungen, zu anderen Folksängerinnen. Sie hat zu dem, was alle auszeichnet noch einen markanten Stil, der zugleich zurückhaltend, aber auch fordernd auf uns wirkt.

Sie klingt erwachsen, gewachsen, herausgewachsen.
Steht oftmals wie eine Beobachterin vor ihren Geschichten, ihren ureigensten Scherbenhaufen, vor einem Gefühlswall, der nach Bewältigung und Bearbeitung schreit.

Beim Musizieren geht es um Glück, Talent und die Möglichkeit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Im Wechsel zwischen leisen Tönen kommt es immer wieder zu gewollten Entgleisungen, wie in den Momenten, in denen wir ganz dringend etwas mitzuteilen, etwas zu erzählen haben, etwas, das die ganze Welt umgehend und sofort zur Kenntnis zu nehmen hat, diese Momente, in denen die Stimme kippt und man vor Aufregung innerlich auf und ab hüpft, kaum dass man den Momement der Enthllung erwarten mag.

Sogar ganz normale (Folk-)Popsongs finden sich auf ihrem neuen Album, die neue Single Dermatillo ist für den Radioeinsatz durchaus geeignet und könnte sie den mainstreamigen Hörern sogar gefallen.
Mit sonnigem Hintergrundchor, leitenden Bläsern und auf- und abwehender Melodie hat dieser Song vielen einiges zu bieten.

Um dieses Album aufzunehmen und weil für ein „richtiges“ Aufnahmestudion kein Geld vorhanden war ging Stevenson zurück in ihrer eigenen Vergangenheit und so entstanden diese Songs in dem Haus ihrer Kindheit. So sind ihre neuen Songs gleichzeitig auch ihre Art, mit ihrer Vergangenheit und Erinnerungen umzugehen. Auch unsere unbestimmte Zukunft, dass niemand weiß, wohin die eigene Reise geht und welche Richtung das Leben einschlägt, ist Thema auf
The Big Freeze.
Ob nun die Beziehung zu ihrer Mutter oder die Angst vor dem Tod, nichts bleibt tabuisiert oder ausgespart.

Meist scheint es, als hielte

LAURA STEVENSON

ihre (be-)schützende Hand über uns, streichelt sanft über unsere schwitzige Stirn, lässt ihre Hand ein wenig auf ihr ruhen, wischt leicht unser Haar aus den Augen und schenkt uns ungeteilte Aufmerksamkeit, einer fürsorglichen Krankenschwester gleich, die nach der Feststellung der Temperatur noch schnell das Wasserglas erneuert und uns Tee vom Gang holt.

Ob es uns denn gut gehe werden wir gefragt und es bleibt keine andere Antwort als die, dass wir uns, solange sie hier bei uns ist, so wohl und gut fühlen wie selten.

Dabei ist dieses Album vielleicht nur eine ureigene Art, genau das zu tun, was sie möchte, genau richtig hier und jetzt, eine spezielle Art ihre Unabahängigkeit für sich zu entdecken und zu sagen: Ich mache was ich will, egal was ihr davon haltet und ich fühle mich saugut dabei.

° ° °

98/100

LAURA STEVENSON The Big Freeze
Don Giovanni Records, 29. März 2019

laurastevco

Lay Back, Arms Out
Value Inn
Living Room, NY
Dermatillomania
Hum
Rattle At Will
Hawks
Big Deep
Low Slow
Perfect

° ° °
in english:

What I Want

Too often, far too often, this comparison with the angelic voices is used to describe any music.

That is why I will say nothing of the sort, as like

LAURA STEVENSON

sounds like an angel in every note, her angelic voice gives one goose bump after another, light and astonishing, her angelic voice floats over her intense folk numbers… no. Nothing like that.
Possibly I could also say that the New York-based artist bewitches her audience half whispering, half falsetto-like with her sympathetic sounds, which appeared for the first time on her first solo album in 2010.

And even though the great success has not really happened yet, she never lost the desire to make music and to compose her own songs.

She sounds sublime, detached in a positive sense, compared to similar releases, to other folk singers. She has a distinctive style to what distinguishes them all, which at the same time is restrained, but also demanding.

It sounds adult, grown, outgrown.
She often stands like an observer in front of her stories, her very own pile of broken glass, in front of a flood of emotions crying out for coping and processing.

Making music is about luck, talent and the possibility of being
in the right place at the right time.

In the alternation between quiet tones there are always deliberate derailments, as in the moments when we urgently have something to communicate, something to tell, something that the whole world has to take note of immediately and immediately, these moments in which the voice tilts and one jumps up and down inwardly with excitement, hardly expecting the moment of revelation.

Even quite normal (folk) pop songs can be found on her new album, the new single Dermatillomania is quite suitable for radio use and could even please mainstream listeners.
With a sunny background choir, leading wind players and up and down melody this song has a lot to offer.

In order to record this album and because there was no money for a „real“ recording studio, Stevenson went back to her own past and so these songs were written in the house of her childhood. So her new songs are also her way of dealing with her past and memories. Also our indefinite future, that nobody knows where their own journey is going and which direction life is taking, is a theme on
The Big Freeze.
Whether the relationship with her mother or the fear of death, nothing remains taboo or omitted.

Most of the time it seems as if the

LAURA STEVENSON

her (protective) hand over us, strokes gently our sweaty forehead, lets her hand rest a little on her, gently wipes our hair out of our eyes and gives us undivided attention, like a caring nurse, who quickly renews the water glass after the temperature has been established and fetches us some more tea from the hallway.
We are asked if we are well and there is no other answer than that as long as she is here with us, we feel better and better than seldom.

But perhaps this album is just a very special way to do exactly what she wants, just right here and now, a special way to discover her independence for herself and to say: I do what I want, no matter what you think about it and I feel so good about it.

 

 

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