Neben der Realität: CARLA DAL FORNO – Look Up Sharp (review)

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(photo & allrights: CARLA DAL FORNO / fb)

° ° °

Das Böse schmeckt süß und verführerisch.

Das schleichende Böse, das Unheil, das Übel.
Leise und kriechend bricht es unerbittlich über uns hinein.

So geschehen mit Look Up Sharp,
dem neuen Album der australischen Multi-Instrumental-Musikerin

CARLA DAL FORNO

die mittlerweile aus Berlin nach London gezogen ist.

Es wirkt bedrohlich, dieses Abenteuer
Look Up Sharp,
bedrückend, abwartend und träumerisch und es geht eine creeping beauty von ihren Klängen aus, es hat sehr häufig  etwas Bedrohendes, Beschwörerisches.
Wenn sie dann wie in So Much Better zu stumpfem Rhythmus und Flötenspiel in Sprechgesang fast an Princess Chelsea erinnert wirkt das Böse fast süß wie Schokolade.

Minimalistisch, bitter, verzaubernd, dunstverhangen, verschwommen – hier nimmt sich alles, jeder Ton und jede Note einen Freiraum und Zeit, man verspürt keine Eile, es wirkt wie in einer Präperatensammlung in verwirrender Ordnung.

Von elegant führend bis synthetisch treibend verführt uns Dal Forno fast spielereisch in ihren Verwirrung stiftenden und gefühlvollen Kompositionen in eine Art Zwischenwelt, bis man mehr möchte und noch mehr und noch mehr.
Dazu braucht es manchmal keinen Gesang, keinen Text, die von Schlieren durchzogenen Songs mit leitenden Klängen von Streichern und Hörnern/Blasinstrumenten schaffen eine ganz besondere, eigene Stimmung und verzerren die Realität, oft nur um wenige Momente, dennoch scheint man in einer Blase gefangen, auf Tuchfühlung mit der Außenwelt – ohne freilich tatsächlich mit ihr in Kontakt treten zu können.
Als wäre man unsichtbar, man selbst scheint verzichtbar, schemenhaft, unklar.

Dann wieder werden wir mitgenommen in einen synthetischen Nebel, der wie eine Sonne strahlt (Took A Long Time) und magnetisierend uns an die Lautsprecher fesselt und die Außenwelt unwichtig werden lässt.

So ist es auch nicht (nur) das einzelne Stück (als Ausnahme nehme ich das bereits erwähnte So Much Better) sondern ihr auf ihrem selbst gegründeten Kallista-Label erschienenes Album als Gesamtwerk, das einlädt in eine Zauberwelt, aus der es, gleich einem Spiegellabyrinth auf dem Jahrmarkt, nur schwerlich ein Entkommen gibt.

° ° °
93/100

CARLA DAL FORNOLook Up Sharp – Bandcamp-Link
Kallista Records, 6.1.2019

carladalco

No Trace
Hype Sleep
So Much Better
Leaving For Japan
I’m Conscious
Don’t Follow Me
Heart Of Hearts
Took A Long Time
Creep Out Of Bed
Push On

 

° ° °

// in english:

Besides Reality

Evil tastes sweet and seductive.

The creeping evil, the desaster, the misfortune.
Quietly and crawling, it breaks relentlessly into us.

This is what happened to
Look Up Sharp,
the new album of the Australian multi-instrumental musician

CARLA DAL FORNO

who has since moved from Berlin to London.

It seems threatening, this adventure
Look Up Sharp,
oppressive, waiting and dreamy and there is a creeping beauty from her sounds, it very often has something threatening, evocative.
When, as in So Much Better, she reminds of Princess Chelsea to a dull rhythm and flute playing in speech song, evil looks almost sweet like chocolate.

Minimalistic, bitter, enchanting, vaporous, blurred – here everything, every note and every tone takes a free space and time, you don’t feel a hurry, it seems like a collection of preparations in a confusing order.

From elegantly leading to synthetically driving, Dal Forno almost playfully seduces us in her confusing and soulful compositions into a kind of intermediate world, until we want more and more and more.
Sometimes you don’t need any vocals, no lyrics, the songs with their streaks and leading sounds of strings and horns/wind instruments create a very special atmosphere and distort the reality, often only by a few moments, yet you seem to be caught in a bubble, touching the outside world – without actually being able to get in touch with it.
As if one were invisible, one seems dispensable, shadowy, unclear.

Then again we are taken into a synthetic fog, which shines like a sun (Took A Long Time) and magnetizingly ties us to the loudspeakers and makes the outside world much more than unimportant.

So it’s not (only) the single piece (as an exception I take the already mentioned So Much Better) but her album, released on her self-founded Kallista Records Label, as a complete work, which invites into a magical world, from which, like a mirror maze on the fairground, there is hardly any escape.

 

Ein Kommentar zu „Neben der Realität: CARLA DAL FORNO – Look Up Sharp (review)

  1. Carla klingt wirklich sehr vielversprechend, da werde ich mal das Album hören – der Song, den Du verlinkt hast, gefällt mir sehr gut, schöner DreamPop (höre ich da eine Prise Cocteau Twins raus?).

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