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(photo & allrights: JESS WILLIAMSON / Backseat)

° ° °

Eine eindringliche, intime Atmosphäre  drängt sich um uns, zwischen Vertrauen und Verschwörung, zwischen Realität und Vorstellung, umfängt uns mit jedem Ton, der aus den Rillen dieser neuen Platte der aus Texas stammenden

JESS WILLIAMSON

zu uns gelangt.

Eine Mischung aus Folk, Indie-Pop, Americana, Country-Welfare und unglaublich schönem Singer-Songwritertum erwartet uns ebenso wie eine in sanften Momenten umfassende Stille, ausschließlich durchbrochen von der mal zart-fordernden, mal selbstbewusst-rauchigen Stimme der Künstlerin, die hier mit ihrem neuen Album
Sorceress
ganz laut um Beachtung schreit.
Beachtung, die sie hoffentlich bekommen wird.

Wie schon das Vorgängeralbum Cosmic Wink von 2018 erscheint auch das neue, inzwischen vierte Album der mittlerweile hauptsächlich in LA ansässigen Musikerin bei Mexican Summer. Aufgewachsen in den Vororten von Dallas, stets begleitet in ihrer Jugend in einem Haushalt musikliebender Menschen von Klängen von Bonnie Raitt, Van Morrison oder den Judds. Während ihres Studiums entdeckte sie neben ihrer Liebe zum Journalismus und zum Schreiben ihre Talente als Musikerin.

Ihre neuen Songs entstanden in LA, sind in Brooklyn aufgenommen worden und in einem Heimstudio in Texas (Dandys Sounds in Dripping Springs) fertiggestellt.
Schon allein dieser Weg zeigt, wie umfangreich sich Jess mit ihrem neuen Material beschäftigt hat. So klingt sie hier umtriebiger, weltoffener und ja, freier. Und dennoch sind stets ihre Wurzeln spürbar, hörbar.

Es ist ein atemraubendes Unterfangen, Songs, die so ans Herz gehen, obwohl man sie erst einmal, zweimal, dreimal gehört hat schon diese Tiefe und dieses vertraute Kribbeln, diese Freude beim Wiedererkennen dieser ergreifenden Klänge spüren lassen.
Das Titelstück macht still. Man lauscht und wagt keine Bewegung.
Im Folgenden Infinite Scroll wiederholt sich eine kleine zarte Melodiewendung, die einem beim Eisschlecken in den Sinn kommen könnte, ebenso wie unter der Dusche oder beim hibbelig am Straßenrand stehen und auf das Blind-Date wartend.
Ein Soundtrack für lebendige Stunden, ein Aufbruch.
Eine Begleitung in der Einsamkeit, in der Stille, in der man in Gedanken bei seinen Lieben ist. Die Mysterien des Lebens und das Ende des DaseinsLebens, eine Umarmung, die ein Vielfaches an Gefühl ausdrückt, ein Spiegel der Gegenwart, ein Blick ins Ungewisse.
Die nie zu klärende, nie zu fassende Gewissheit von Liebe, die Kritik am Konsumrausch, dem Streben nach Mehr und ungebremster, rücksichtsloser Machbarkeit.
Mit einem steten Hauch von Pastiche, einer deckenden Patina, einem Ansatz zum Erklären des Daseins, unserer Unwegbarkeit.

Ein Album, dass wie gemacht, wie hervorgezaubert scheint für diese seltsame Zeit. Ein bewegendes Momentum der Aufmerksamkeit, der unaufgeregten Ehrlichkeit, eine Musik, der man das Herzklopfen in nahezu jeder Note, jedem sehnsuchtsvollen Klang der schmachtenden Gitarre spüren kann, dem Gesang, der einen in den Traum bringen, den ersehnten Schalf bringen soll, die Träume, das Abschalten, die Freiheit der Bewegungslosigkeit genießend.

Ein Nachmittag daheim, mit einem Buch, einer Tasse Kaffee, einem leckeren Zimtkeks, einem Hund auf dem Schoß und der Gewissheit, dass die Liebste in ein paar Stunden zur Tür hereinkommen und mich sowohl mit ihren Geschichten als auch mit ihrer Lieben, ihren Umarmungen überschütten wird, in die ich eintauchen werde, ihre Nähe nicht nur spüren sondern atmen, einatmen, ihren Duft, der vertraut ist und dennoch gefüllt mit Fremdheit, mit Erlebnis und Abenteuer.
Und sei es nur der Arbeitstag am anderen Ende der Stadt.

Ein Album, eine Musikerin, eine Künstlerin: grenzenlos sympathisch, umwerfend ehrlich und irgendwie einfach das liebenswerte Girl next door.
Und wir dann so: Einmal kuscheln bitte, Schatzi.
Und dabei läuft
Sorceress.
Zauberhaft.

° ° °
100/100  

JESS WILLIAMSONSorceress
Mexican Summer, 15.5.2020

jesswillco

Smoke
As The Birds Are
Wind On Tin
Sorceress
Infinite Scroll
Love’s Not Hard To Find
How Ya Lonesome
Rosaries At The Border
Ponies In Town
Harm None
Gulf Of Mexico

 

 

° ° °

Souldance

A haunting, intimate atmosphere surrounds us, between trust and conspiracy, between reality and imagination, embraces us with every sound that emerges from the grooves of this new record by the Texas-born

JESS WILLIAMSON

has reached us.

A mixture of Folk, Indie-Pop, Americana, Country-Welfare and unbelievably beautiful singer-songwriting awaits us, as well as a silence that is comprehensive in gentle moments, exclusively broken by the sometimes tenderly demanding, sometimes self-confidently smoky voice of the artist, who is here with her new album
Sorceress
screaming for attention.
Attention that she will hopefully get.

Like the previous album Cosmic Wink from 2018, the new, meanwhile fourth album of the now mainly LA-based musician will be released by Mexican Summer. Growing up in the suburbs of Dallas, always accompanied in her youth in a household of music-loving people by the sounds of Bonnie Raitt, Van Morrisson or the Judds. During her studies, she discovered her talents as a musician in addition to her love of journalism and writing.

Their new songs were written in LA, recorded in Brooklyn and finished in a home studio in Texas (Dandy’s Sounds in Dripping Springs).
This way alone shows how much time Jess has spent on her new material. So she sounds more active, more open-minded and yes, freer.
And yet her roots are always perceptible, audible.

It’s a breathtaking undertaking, songs that go to the heart, even though you’ve heard them once, twice, three times, this depth and this familiar tingling, this joy in recognizing these poignant sounds.
The title track makes silence. One listens and does not dare to move.
In the following Infinite Scroll repeats a small tender melody turn that might come to mind while licking the ice, as well as in the shower or while standing nervously at the side of the road waiting for the blind date.
A soundtrack for lively hours, a departure.
An accompaniment in the loneliness, in the silence, in which you are in thoughts with your loved ones. The mysteries of life and the end of the life of existence, an embrace that expresses a multiple of feeling, a mirror of the present, a look into the unknown.
The certainty of love that can never be clarified, that can never be grasped, the criticism of consumerism, the striving for more and unrestrained, ruthless feasibility.
With a constant touch of pastiche, a covering patina, an approach to explaining existence, our uncertainty.

An album that seems to be made, as if conjured up for this strange time. A moving momentum of attention, of unagitated honesty, a music that you can feel the heartbeat in almost every note, every yearning sound of the languishing guitar, the singing that is supposed to bring you into the dream, to bring the longed for sleep, enjoying the dreams, the switching off, the freedom of motionlessness.

An afternoon at home, with a book, a cup of coffee, a delicious cinnamon biscuit, a dog on my lap, and the certainty that in a few hours the sweetheart will walk in the door and shower me with her stories as well as her loved ones, her hugs, in which I will immerse myself, not only feel her closeness but breathe in, inhale, her scent, which is familiar and yet filled with strangeness, with experience and adventure.
Even if it’s just the working day on the other side of town.

An album, a musician, an artist: boundlessly likeable, stunningly honest and somehow simply the lovable girl next door.
And we then like this: Cuddle me, sweetie.
A(nd) Sorceress is playing.
Magical.

Ein Kommentar zu „Seelentänzer: JESS WILLIAMSON – Sorceress (review)

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